Kastner&Öhler: Unsichtbare Großbaustelle
Das Traditionskaufhaus Kastner&Öhler wird um- und ausgebaut. Ein gewaltiges Unterfangen, das fast unbemerkt über die Bühne geht.

Foto © ScheriauNach drei Jahren neigt sich der Umbau dem Ende zu
Wäre Vorfreude messbar, so auf einer Skala zwischen 1 und 10, dann würde die Nadel bei Martin Wäg in etwa bei 14 oder 15 zum Stehen kommen. Doch auch ohne Messgerät lässt sich der Tatendrang des Vorstandes von Kastner&Öhler ganz gut ablesen - wenn er wieder mit raumgreifenden Schritten durch halbfertige Hallen marschiert, für einen kritischen Blick abrupt abbremst und einem Bauarbeiter auf die Schulter klopft. "Bei mir ist es ja mittlerweile so, dass ich bei einzelnen Räumen Drähte und Kabel gar nicht mehr wahrnehme", lacht Wäg. "Stattdessen sehe ich bereits den fertigen Verkaufsraum vor mir."
In dieser Hinsicht müssen sich die Kunden des Grazer Traditionskaufhauses noch bis Mittwoch gedulden - Mittwoch in knapp einem Jahr: Denn an diesem 20. Oktober 2010 strahlt
K&Ö dreijährigen Um- und Ausbau in neuem Glanz.
Doch weil die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb vonstatten gehen und man die wachsende Neugierde der Kunden auch ein wenig stillen will, gibt's schon früher etwas zu sehen - und zwar in wenigen Tagen: Am 23. Oktober wird die erst kürzlich erweiterte Tiefgarage freigegeben und noch im November gehen die ersten nagelneuen Verkaufsflächen in Betrieb.
Bis dahin führen Bagger und Kräne Regie - in einem paradoxen Spiel: Denn mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist inmitten von Graz die größte private Baustelle des ganzen Bundeslandes entstanden - und mit ihr bis zum heutigen Tag 13.500 Quadratmeter an neuen Flächen. Während Grazer wie Touristen nichts ahnend durch die Sackstraße spazieren, krempeln ein paar Meter neben ihnen bis zu 200 Handwerker pro Tag die Ärmel hoch.
40 Millionen Euro investiert
Unterm Strich werden es 40 Millionen Euro sein, die hier investiert werden. Ein gewagter Schritt in Zeiten der Krise, oder? "Wir haben uns ja schon vor der Wirtschaftskrise zum Ausbau entschlossen. Weil es für uns wichtig ist, um angesichts der vielen Einkaufszentren rundherum konkurrenzfähig zu bleiben", hebt Thomas Böck, mit Wäg im K&Ö-Vorstand, den Zeigefinger. Das Fundament habe man bereits im Jahr 2001 mit dem Bau der Tiefgarage gelegt. "Die ersten Skizzen haben wir damals auf einer Serviette angefertigt", schmunzelt Böck. Gott sei Dank, wie Martin Wäg schon einmal betonte, "ohne Tiefgarage hätte unser Haus heute wohl eine ziemliche Schlagseite".
In der Zwischenzeit ist die eine und auch die andere Skizze dazugekommen: Immerhin wird die Verkaufsfläche von 30.000 Quadratmeter auf 40.000 Quadratmeter erweitert, allein 24 Rolltreppen werden neue geschaffen. Ganz zu schweigen vom Ausbau des Daches, an dessen Ende mehrere Terrassen mit einem Blick über Graz als Vorspeise serviert werden. Letzteres allerdings erst nach dem 20. Oktober 2010.
Apropos: Wie die Eröffnungsfeier aussehen soll, ist noch offen. Ob es schon Ideen gibt? "Ja, die gibt es", lacht Wäg. Gut möglich, dass er diesen Mittwoch in einem Jahr schon genau vor sich sieht.
Features
Fakten
Der Um- und Ausbau
Im Juli 2006 akzeptiert ein Welterbe-Komitee die Umbaupläne nicht. Im Oktober kann man sich mit einer eigens nach Graz geschickten Kommission einigen, indem man etwa die Höhen ein wenig reduziert.
Ende 2007 wird mit ersten Arbeiten begonnen und das Logistikzentrum wird in Angriff genommen.
Bis 20. Oktober 2010 wird die Verkaufsfläche von derzeit 30.000 m2 auf rund 40.000 m2 erweitert, der Modebereich mit letztlich 15.000 Quadratmetern fast verdoppelt.
Anschließend folgt der Dachausbau samt neuer Terrassen.
















