Buchpräsentation eines Überlebenden des Todesmarsch
Am Freitag wurde am Präbichl beim Mahnmal an den Todesmarsch ungarischer Juden im Jahr 1945 ein Buch eines Überlebenden präsentiert.

Foto © BirnbaumDirekt beim Todesmarsch-Mahnmal wurde das Buch vorgestellt
Sogar der Himmel weint", kommentierte Ernö Lazarovits gestern Vormittag das regnerisch-stürmische Wetter am Präbichl. Genauer gesagt, genau beim Mahnmal, das an den "Todesmarsch jüdischer Gefangener im Jahr 1945" erinnern soll. Am Präbichl ereignete sich ein Massaker, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Unschuldige, Wehrlose, die einfach niedergemetzelt wurden, vom Eisenerzer Volkssturm. Gestern präsentierte der mittlerweile 85-jährige Ungar, der an Universitäten unterrichtete, für Zeitungen schrieb und zuletzt im Außenhandel tätig war, sein Buch "Mein Weg durch die Hölle" in deutscher Sprache. In ungarisch, rumänisch und englisch ist es bereits erschienen. Mit Hilfe von Ingrid und Ernst Hauseder wurden die schrecklichen Erlebnisse in Gefangenschaft und die damit verbundenen Qualen übersetzt. "Es fällt mir schwer, hierher zurückzukommen. Ich war seit dem Massaker auch nie wieder hier", erzählt der sichtlich mit den Tränen kämpfende Überlebende vor einer Handvoll Menschen - kaum Einheimische, die meisten Verwandte von Betroffenen.
Schülerarbeit
Heimo Halbrainer, Grazer Historiker, leistete in dem Buch historisch-zeitgeschichtliche Beiträge. Er sprach gestern auch über die historischen Hintergründe. Die Gegenwart beleuchtete Gerhard Niederhofer, rühriger Lehrer und Motor des Mahnmals sowie der Aufarbeitung der Ereignisse im Zweiten Weltkrieg in Eisenerz. "Wir Eisenerzer haben es nicht vergessen, viel zu spät haben wir uns aber daran erinnert. Den Schmerz können wir nicht wieder gut machen", meinte er und wies darauf hin, dass an Eisenerzer Schulen der Todesmarsch fixer Bestandteil des Unterrichts sei.
Überhaupt haben Niederhofer und seine Mitstreiter es hervorragend verstanden, das gerne verschwiegene Thema "Eisenerz in der NS-Zeit" unter den Jugendlichen überhaupt erst zu einem Thema zu machen. Schüler waren es, die das Mahnmal entworfen haben. Und Schüler waren es, die jedes Jahr eine weitere Idee umsetzen, um dieses Mahnmal und den Platz drumherum schöner zu gestalten. Immer wissend, dass es Erwachsene gibt, die sie dabei mit allen Kräften und vor allem praktisch unterstützen.
Dass dieses Unterfangen nicht ohne Erfolg bleibt, zeigen die vielen Unterschriften in dem am Mahnmal aufgelegten Gedenkbuch, in das sich jeder Besucher eintragen kann. Aus Frankereich, Italien, Deutschland, Israel und den USA sind Beiträge zu lesen. "Und zu mehr als 90 Prozent sind diese positiv" merkte Niederhofer gestern an. "Mein Weg durch die Hölle", Ernö Lazarovits, 188 Seite, Edition "Geschichte der Heimat, 22,90 Euro, Buchverlag Franz Steinmaßl, www.geschichte-heimat.at



















