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Zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 um 19:00 UhrKommentare

Die Symphonie mit dem Hammerschlag

In der Oper Graz, die am Freitag zum 110-Jahre-Fest lädt, werden die letzten Saison-Vorbereitungen getroffen. Wir hörten uns schon einmal um: bei den Handwerkern und dem Chefdirigenten.

Foto © APA

an hatte uns vor dem Besuch im Opernhaus gewarnt: "Achtung, Baustelle!". Und tatsächlich klingt schon über die gläserne Brücke her die Symphonie mit dem Hammerschlag, zu der die Bohrer singen und die Schleifer tanzen. "Die Sommerpause nutzen wir intensiv für kosmetische bauliche Dinge, Bühne und Technik werden wieder in Schwung gebracht", erklärt Johannes Fritzsch, der uns durchs Haus führt.

Künstlerisch seien allerdings keine Baustellen mehr offen, betont der Chefdirigent. Die Vorlaufzeit von mehr als zwei Jahren im Opernbetrieb lasse so etwas auch gar nicht zu: "Ich weiß etwa jetzt schon, was ich am 18. Juni 2011 proben werde und in welchem Raum", blickt Fritzsch von seinem Kalender auf.

Castingshow

Feier

Die Oper Graz, erbaut von den Wiener Architekten Fellner & Helmer als Stadttheater, wurde am 16. 9. 1899 mit Schillers "Wilhelm Tell" eröffnet. Johannes Fritzsch begeht mit Chor und Orchester, Gesangssolisten und dem Gast Rudolf Buchbinder (Klavier) das 110-Jahre-Jubiläum. Nach dem Festkonzert regieren nicht mehr Rossini, Strauss und Wagner, sondern Rockstars von Abba bis Zappa beim ersten Opernclubbing mit DJs.

Mit Wagners "Meistersingern", für die bei unserem Besuch gerade das Bühnenbild aufgebaut wird, läutet man die Saison 2009/10 ein. Für die quasi erste Castingshow der Musikgeschichte, in der halt kein Studioalbum als erster Preis winkt, sondern die Hand einer Goldschmiede-Tochter, hat sich der gebürtige Ostdeutsche mit Regisseur Alexander Schulin erstmals im Frühjahr 2008 getroffen. Auf der Besetzungsliste stehen mit dem Briten James Rutherford als Hans Sachs und dem Hamburger Burkhard Fritz als Stolzing zwei Haus-Debütanten und mit der gebürtigen Israelin Gal James als Eva ein neues Ensemblemitglied.

"Das braucht natürlich auch längerfristige Disposition. Wagner-Sänger laufen ja nicht gerade zuhauf herum", sagt Fritzsch, "aber Elisabeth Sobotka hat durch ihre früheren Posten an den Staatsopern in Wien und Berlin beste Netzwerke und viele gute Sänger kennen gelernt."

Das Herz der neuen Intendantin wird wohl gerade jetzt freudig bis erregt hüpfen: Die zweite Chefin des Hauses nach Karen Stone (2001 - 2003) verantwortet ihre erste Saison, und schon morgen lädt Sobotka zum Jubiläum, denn im September 1899 öffnete das Opernhaus als Grazer Stadttheater seine Pforten.

Wacher Kopf

Für das Festkonzert probt Fritzsch mit den Philharmonikern parallel zur Vorarbeit für die "Meistersinger", die schon vor der Sommerpause mit dem Ensemble und dem Chor begonnen wurde und nun in der Szene in die Tiefe geht. So Unterschiedliches wie die "Fledermaus" oder Dvoráks "Rusalka" sowie Zusatzkonzerte warten übers Jahr ebenfalls auf den 49-Jährigen. Ob man da am Pult manchmal schizophren wird? "Im Gegenteil, das ist gut für mich, für die Sänger, die Instrumentalisten: Durch die verschiedenen Genres und Aufgaben bleibt man wach im Kopf".

Couch

Fritzsch, der ja seit dem Vorjahr auch Chefdirigent des "Queensland Orchestra" in Brisbane ist und zudem Frau und drei kleine Töchter in Australien hat, wird jedenfalls nicht fad. "Nicht nur als Musiker, auch als Organisator für den Opernplan schaltet man nie ganz ab. Hinzu kommt, dass man sich auch die Sorgen von 90 Orchestermusikern anhören muss". Darum also die Couch in seinem Künstlerbüro? Fritzsch lacht: "Nein, wer zu mir kommt, sitzt schon auf dem Stuhl wie Sie. Aber Musiker sind eben sensible Persönlichkeiten, da hat man sich als Chef auch um menschliche Probleme zu kümmern".

MICHAEL TSCHIDA

Programm

Der Auftakt erfolgt am 26. 9. mit Richard Wagners Die Meister-singer von Nürnberg. Weiters als Premieren 2009/2010 zu hören:

Madama Butterfly von Puccini, (Wiederaufnahme, 27. 9.), The Sound of Music von Richard Rodgers (18. 10.), Die Fledermaus von Johann Strauß (22.11.), Rusalka von Antonin Dvorák (18.12.), Die Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán (23.1.), Nomaden (Ballett nach Musik von Bach, 11. 2.), Le nozze di Figaro von Mozart (20.3,), Lulu von Alban Berg (29.4.) und La sonnambula von Bellini (29.5.).

Foto

Foto © APA

Elisabeth Sobotka Foto © APA

Intedantin

Elisabeth Sobotka (43) geht als Intendantin der Oper Graz in ihre erste Saison. Die Wienerin studierte in ihrer Heimatstadt Musik- und Theaterwissenschaft, Publizistik und BWL. Zunächst im Künstlerischen Betriebsbüro der Salzburger Festspiele und bei Jeunesse Wien. Ab 1992 Leiterin der Künstlerischen Produktion an der Oper Leipzig. 1994 bis 2002 Chefdisponentin und Betriebsdirektorin der Wiener Staatsoper. 2002 bis 2007 Operndirektorin an der Staatsoper Unter den Linden Berlin.

Neue Gesichter

Neu im Ensemble ist Gal James (Foto). Die junge israelische Sopranistin, zuletzt im Opernstudio an der Berliner Staatsoper, singt u. a. die Eva in Wagners "Meistersingern". Der Neuseeländer Tecwyn Evans (38) hat Dirk Kaftan als ersten Kapellmeister abgelöst. Etliche Gäste werden enger ans Haus gebunden. Und man konnte höchst prominente Regisseure für spannende Produktionen engagieren, u. a. Stefan Herheim (für "Rusalka") und Peter Konwitschny (für die "Csárdásfürstin").

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