Graz: Volksgarten-Anrainer laden zur Bürgerversammlung
Drogen, Vandalismus, Lärm: Im und rund um den Volksgarten wird die Lebensqualität mit Füßen getreten. Den Anrainern reicht's: Sie laden jetzt zur Bürgerversammlung.

Foto © KLZ DIGITAL/ScheriauElke Edlinger: "Wir bauchen rund um den Volksgarten eine ordentliche, vor allem aber eine kontinuierliche Betreuung"
Franz Blauensteiner wohnt in der Grazer Weißeneggergasse. Wie sich das anfühlt? "Es wird vor unseren Haustüren, unter unseren Fenstern offen gedealt. Die Käufer kommen mittlerweile aus der halben Steiermark. In unseren Straßen werden Kindern und erwachsenen Anrainern Drogen aktiv angeboten."
Gemeinsam mit Blauensteiner erleben unzählige Anrainer, was - leider - Sache ist: Der Grazer Volksgarten und das angrenzende Areal rund um die Weißeneggergasse sowie den Bereich Sigmundstadl haben sich zu einem Brennpunkt entwickelt. Drogenkriminalität, Vandalismus und Lärmbelästigung stehen beinahe an der Tagesordnung, die Exekutive setzt auf Schwerpunktaktionen und verstärkte Fußstreifen.
"Und die Grazer Politik schaut zu (bzw. weg)???", fragt sich die Interessensgemeinschaft der Anrainer in jenem Schreiben, das Einladung und Hilfeschrei zugleich ist: Denn am Donnerstag, 10. September, soll im Bräukeller mit Vertretern der Stadtregierung endlich Tacheles geredet werden (siehe Infobox).
"Alle Konzepte abgelehnt"
Blauensteiner hat die Versammlung samt Mitstreitern initiiert, um die "etwas schwerfällige Stadtregierung" wachzurütteln. Denn dafür sei es höchste Zeit: "All unsere bisherigen Konzepte wurden von der Politik als ,nicht funktionierend' oder unfinanzierbar abgelehnt. Ich behaupte ganz provokant, dass es vielen in der schwarz-grünen Koalition nicht um Integration, sondern um Assimilation geht."
Dabei würde der richtige Ansatz auf der Hand liegen, wie neben Blauensteiner auch Lend-Bezirksvorsteher Otto Trafella betont: "Zunächst bräuchten wir natürlich eine stärkere Polizeipräsenz. Was das bewirken könnte, haben die jüngsten Schwerpunktaktionen bewiesen. Man bemüht sich eh nach Kräften, aber die Polizei braucht mehr Personal. Darüber hinaus aber muss es auch eine Zusammenarbeit mit Streetworkern geben."
Ein Punkt, den Sozialstadträtin Elke Edlinger unterschreibt: "Wir brauchen eine ordentliche, vor allem aber eine kontinuierliche Betreuung. Dazu gehören Sozialarbeiter genauso wie Polizeibeamte mit Migrationshintergrund. Und eine inhaltliche Weiterentwicklung der Ordnungswache würde genau in diesem Bereich Sinn machen."
Features
Kommentar
Fakten
Am Donnerstag, 10. September, lädt die Interessensgemeinschaft Weißeneggergasse/ Sigmundstadl zu einem "öffentlichen Dialog" ins Gasthaus Bräukeller (Keplerstraße 104). Beginn ist um 19 Uhr.
Am Podium werden an diesem Abend Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne), Stadträtin Elke Edlinger (SPÖ) sowie Stadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg (ÖVP, in Vertretung von Bürgermeister Siegfried Nagl) Platz nehmen.
Worum es geht, macht die Interessensgemeinschaft mit kurzen, aber prägnanten Fragen in ihrer schriftlichen Einladung klar: "Lebensqualität, adieu?! Welcome Ghettoisierung?! Hello Drogenfreihandelszone?! Murvorstadt aufgeben?! Kriminalitätzuwachs - juhu?! Wegschauen oder abwandern?! . . . und die Grazer Politik schaut zu (bzw. weg)???" heißt es in dem Schreiben.
















