Brückler: "Bis auf das Eis ist alles anders"
Für Eishockey-Goalie Bernd Brückler hat in Russland ein völlig neues Kapitel seiner Laufbahn begonnen. Am Freitag startet der Grazer mit dem HC Torpedo in die Saison.

Foto © APBernd Brückler
Andere Länder, andere Sitten. Für Bernd Brückler nichts ungewöhnliches. Zu seiner Schul- und Studienzeit zog Österreichs Eishockey-Nationalteamtorhüter von Österreich über Kanada bis in die USA. Im finnischen Espoo folgte die erste Profistation. Nach dreieinhalb erfolgreichen Jahren zieht Brückler nun weiter Richtung Osten - und zwar nach Russland, genauer gesagt nach Nischni Nowgorod.
Gleich nach der ersten Ankunft war für ihn klar: "Das ist eine komplett neue Erfahrung und mit dem bisher Erlebten nicht zu vergleichen." Beispiele gefällig? Da wäre einmal die Sprache. "Englisch sprechen hier die Legionäre und wenige Russen in meinem Team. Im ,normalen' Leben wird nur russisch gesprochen, was für mich völlig neu ist", erzählt der 27-Jährige, der sich aber zwei Mal wöchentlich bei einem Sprachkurs auf Vordermann bringt. "Bis ich einigermaßen russisch rede, muss ich mich mit Handzeichen und Übersetzungshilfen durchschlagen."
Negativster Wegbegleiter ist der immense Verkehr. "Es ist normal, dass man für wenige Kilometer in der Stadt Stunden im Stau steht", berichtet Brückler. Ein Auto hat er zwar, gesteuert wird es aber von einem Chauffeur, der für ihn rund um die Uhr zur Verfügung steht. "Alleine zu fahren, macht keinen Sinn, weil ich nicht einmal die Schrift auf den Straßenschildern verstehe."
Saisonstart mit Topform
Wer glaubt, dass sich der Schlussmann des HC Torpedo unwohl fühlt, irrt aber gewaltig. "Ich fühle mich hier irrsinnig wohl. Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend, obwohl die sprachliche Barriere ein Problem ist", betont Brückler. Weil das Leben für einen Ausländer so aufregend ist, hat er sich etwas besonderes einfallen lassen. "Ich schreibe einen Blog, in dem ich meine Eindrücke wiedergebe. Dieser wird auf unserer Klub-Homepage veröffentlicht und ist enorm beliebt. Kein Legionär hat so etwas zuvor gemacht. Deshalb interessieren sich die Russen auch so sehr dafür, wie sich ein Ausländer hier zurechtfindet."
Bei allem Drumherum hat der sportliche Bereich natürlich Priorität. Donnerstag beginnt die Saison in der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL). Torpedo Nischni Nowgorod ist erstmals am Freitag bei Barys Astana im Einsatz. Brückler hat sich in der Vorbereitung in Topform präsentiert. Der Lohn: Bei zwei Turnieren wurde er zum besten Torhüter gewählt. Brückler: "So brutal viel habe ich noch nie trainiert. Aber das ist Grundvoraussetzung. Das Niveau der Liga mit Stars wie Jagr oder Fedorov ist ein Wahnsinn. Da kannst du dir keine Schwächen leisten."












