Seinen Platz in der Gesellschaft suchen
Jugendliche haben laut OECD-Bericht mit vielen Problemen zu kämpfen. Die fehlende Chancengleichheit kann Kinder- und Jugendanwalt Christian Theiss nur bestätigen.

Foto © APJugendliche müssen ihren Platz in der Gesellschaft erst finden
Wenig Chancengleichheit, viel Alkohol- und Zigarettenkonsum, hohe Suizidgefahr und Sterblichkeit bei Burschen im Vergleich zu anderen Ländern - die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) macht sich Sorgen um Österreichs Jugend (wir berichteten). Zumindest die fehlende Chancengleichheit kann der steirische Kinder- und Jugendanwalt Christian Theiss bestätigen.
"Viele Gelder vom Staat kommen nicht so an, dass alle gute Chancen für ihre Zukunft haben", sagt er. Vor allem die frühe Trennung der Kinder in verschiedene Schulen sei ein echter Nachteil.
Gerade beim Thema Alkohol fordert er klarere gesetzliche Regelungen: "Das sollte auch in der Gewerbeordnung festgelegt werden, nicht nur im Jugendschutzgesetz", so Theiss. Es gebe sicher eine höhere gesellschaftliche Aufmerksamkeit. "Und Jugendliche verstecken das weniger, trinken ganz offen auf der Straße." Er führt das darauf zurück, dass sie ohnehin wüssten, dass sie kein Fremder darauf ansprechen wird.
Besonders schlimme Alkoholvergiftungen landen bei Wilhelm Müller, dem Leiter der Grazer Kinderklinik. "Das sind meist Ausrutscher, nicht Abhängige", sagt Müller. Diese Jugendliche seien im Schnitt um die 15 Jahre alt und vor allem durch Freunde angetrieben. Auffällig sei, dass vor 20 Jahren kaum Jugendliche mit Alkoholvergiftung eingeliefert wurden. Vor etwa zehn Jahren pendelte sich die Zahl bei 170 ein.
Die Suizidgefahr bei Burschen zwischen 15 und 19 ist laut OECD in Österreich höher als in anderen Ländern. Hans Andritsch, Oberarzt an der Grazer Kinder- und Jugendpsychiatrie erklärt, dass Mädchen zwar eher mit Selbstmord drohen, Burschen aber schneller Taten setzen. Er sagt: "In der Jugend sucht man seinen Platz in der Gesellschaft. Das ist besonders hart für jene, bei denen das soziale Sicherheitsnetz fehlt."



















