Taubenabwehr vertrieb Sechsjährigen
Ohrenbetäubend: Ein Bub wird "Opfer" der Taubenabwehr im Grazer Hauptbahnhof. Die Mutter ist über Einsatz der akustischen Anlage empört. Jetzt wird die hochfrequente Beschallung endgültig abgedreht.

Foto © KLZ DIGITAL/ScheriauMessung am Grazer Hauptbahnhof: Ortsuntypische Beschallung mit sehr hoher Frequenz
"Mama, Mama, das tut so weh", schrie der sechsjährige Sohn und hielt sich die Ohren zu. Karin Handler aus Gleinstätten, die mit ihren zwei Kindern am 13. August um 14 Uhr aus dem Spar-Markt im Grazer Hauptbahnhof kam, konnte sich das nicht erklären. Bis die Messung eines ihr bekannten Technikers ergab, dass es in der Halle eine Beschallung in sehr hoher Frequenz gibt. Handler zeigte sich empört. Sie vermutete, dass es sich hier um eine "Jugendabwehr" - nach oberösterreichischem Vorbild handelt.
Tatsächlich hat es heuer im Sommer schon Aufregung um solch hochfrequente Beschallungen gegeben. Die Gemeinde Attnang-Puchheim hat im Schlosshof so eine Anlage zur "Jugendabwehr" installiert. Nur junge Menschen bis 25 Jahre nehmen diese akustischen Signalen unterschwellig wahr und werden so vertrieben. Nach Protesten wurde diese jüngst abgedreht.
Die Kleine Zeitung ließ durch einen Mitarbeiter eines Grazer Technikerbüros im Bahnhof Messungen durchführen. Sein Resümee: "Es gibt hier eindeutig Beschallung mit sehr hoher Frequenz, die für diesen Ort nicht natürlich erklärbar ist."
Nicht erklärbar ist das zunächst auch für die ÖBB-Pressesprecherin Verena Radlingmayr: "Da kann es sich nur um eine technische Störung handeln. Bei uns war diese Art von Jugendabwehr nie ein Thema." Schließlich lässt sie uns doch wissen, dass ein Pächter eine solche Anlage zur Taubenabwehr betrieben hat. Er habe aber den Auftrag bekommen, das umgehend einzustellen.
Jetzt wird abgedreht!
Reaktion von Kinder- und Jugenanwalt
Auf der Suche nach diesem Pächter wurden wir bei Spar Steiermark fündig, und auch hier konnte sich Pressereferent Robert Renz erst nicht erklären, wieso gestern diese hohen Frequenzen zu messen waren: "Wir haben heuer im April diese Anlage errichten lassen, um die Verschmutzung durch Tauben zu verhindern. Dass dadurch auch Menschen gestört werden, haben wir bisher nie gehört. Vorige Woche wurde uns vom Umweltamt mitgeteilt, dass eine Beschwerde vorliegt. Wir haben daraufhin sofort die Lieferfirma dieses Systems beauftragt, die Beschallung einzustellen. Was laut Rückmeldung der Firma mit 27. August auch geschehen ist."
Nicht der erste problematische Fall. Erst vor zwei Wochen sorgte in Klagenfurt eine seit 20 Jahren laufende Taubenabwehr-Anlage am Lindwurm plötzlich für akustischen Ärger bei Passanten. Die Stadt lässt bereits prüfen. Keine Klagen hörte man bis jetzt vom Grazer Hauptplatz. Obwohl hier seit einigen Tagen am Erzherzog-Johann-Denkmal ebenso eine akustische "Taubenabwehr" installiert ist.













