Umstrittenes Mur-Kraftwerk soll ein "Design-Kraftwerk" werden
Bürgermeister Nagl rührt kräftig die Werbetrommel für das Estag-Großprojekt. Grüne fordern ein Umdenken in der Energiefrage.

Foto © Erwin ScheriauBürgermeister Siegfried Nagl ist ein "klarer Befürworter" des Großprojekts
Es wird Graz verändern - das umstrittene Mur-Kraftwerk in Puntigam, mit dem die Estag saubere Energie gewinnen will. Um 80 Millionen Euro soll nördlich der Puntigamer Brücke ab 2012 ein Wasserkraftwerk entstehen. Befürworter und Gegner haben sich rasch formiert, politisch geht der Riss genau durch die schwarz-grüne Rathauskoalition. Für Grünen-Gemeinderat Gerhard Wohlfahrt war das Kraftwerk in einer ersten Reaktion "undenkbar", Bürgermeister Siegfried Nagl ist ein "klarer Befürworter" des Großprojekts.
Daher rührt der ÖVP-Chef nun die Werbetrommel. Das Motto: Nicht jede Veränderung ist negativ, man muss sie nur für sich nutzen. Das Kraftwerk soll nicht nur der reinen Energiegewinnung dienen, sondern das Thema Energiewende sichtbar machen.
Kraftwerk soll sich an "City of Design" orientieren
"Das Kraftwerk wird sich am Titel ,City of Design' orientieren", betont Nagl. "Es wird nicht ein simpler Kraftwerksblock, sondern ansprechende, moderne Architektur."
Im Wasserkraftwerk soll das gesamte Thema erneuerbare Energie dargestellt werden. Einerseits sollen Führungen durch das Kraftwerk möglich sein, andererseits auch Solar- und Windenergie thematisiert werden. Das wäre für Schulklassen, Grazer und Touristen interessant, meint Nagl.
Um das Thema saubere Energie weiterzuspinnen, ist beim Kraftwerk am Murradweg an eine Lade- und Labe-Station für Radler gedacht. Neben der simplen Verpflegung soll es auch Elektroräder zum Ausleihen geben. "Damit könnte man zum Beispiel der Mur entlang nach Marburg fahren", so der Bürgermeister. Generell nennt er die Drau-Metropole genauso wie Wien als Vorbild. "An diesen beiden Städten sieht man, was ein Fluss alles sein kann."
Grünes Nein
Trotz der Nagl'schen Werbetrommel bleiben die Grünen bei ihrem Nein. Natürlich sei Wasserkraft besser als Gas, so Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. Aber bevor über neue Kraftwerke diskutiert wird, "müssen endlich ernsthaft energiesparende Maßnahmen umgesetzt und der Stromverbrauch gedrosselt werden." Die Estag habe natürlich Interesse, mehr Strom zu verkaufen. Die Politik müsse aber versuchen, den Verbrauch zu reduzieren. Rücker: "Man kann immer das Beste aus einem Übel machen. Die Frage ist: Muss ich mich vorher überhaupt für das Übel entscheiden?"

















