Das Kapital, die Interessen und die Erlösung
Ungewöhnliches von Bach im Mausoleum.
Das Hochfest Mariae endete in der Grazer Katharinenkirche mit Ungewohntem: Josef M. Doeller setzte seinen imposanten Zyklus "Bach XXI." mit vier Kantaten für den 6. bis 9. Sonntag nach Trinitatis von Johann Sebastian Bach fort. Theologisch kreisen "Es ist das Heil uns kommen her" (BWV 9, 1732), "Was willst du dich betrüben" (BWV 107, 1724), "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist" (BWV 45, 1726) und "Tue Rechnung!" (BWV 168, 1725) um ein Kernstück des lutherischen Selbstverständnisses: Gottes Gnade und Christi Kreuzestod erlösen den gläubigen Menschen aus aller Schuld, nicht Bußübungen, Ablässe und Reliquienverehrung. Seit 1999 gibt es eine gemeinsame Erklärung von Protestanten und Katholiken.
Musikalisch ist Bach in den genannten vier Kantaten herb bis unmissverständlich. Besonders in "Tue Rechnung!" im Text von Salomo Franck über "Kapital und Interessen, meine Schulden groß und klein" gipfelt die Verkündigung darin, dass das Opfer Christi menschliche Schuld durchgestrichen hat. Diese Verheißung interpretiert Doeller mit seinen 20 Sängern der Domkantorei, der intensiven Capella Leopoldina (etwa Ulli Engels Violinsoli) und einem engagierten Solistenquartett (Barbara Fink, Patrick Van Goethem, Daniel Johannsen, Klemens Sander) eindringlich.

















