Behinderte machen Politik in eigener Sache
Das Deutsch-österreichische "Sommercamp" diskutiert vom 3. - 7. August in Graz über Behindertenpolitik. Kritisiert werden unter anderem Pläne der Regierung zur Mindestsicherung.

Foto © APA/Sujet
Die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und künftige Behindertenpolitik in Österreich und Deutschland steht im Mittelpunkt einer Tagung von behinderten Menschen beider Staaten, die in der kommenden Woche in Graz stattfindet. Kritische Stimmen werden vonseiten der Behindertenvertreter in puncto Umsetzung der Mindestsicherung durch die Bundesregierung laut.
Das "Sommercamp für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen" findet zum zweiten Mal in Graz statt. "Wir wollen u.a. diskutieren, wie wir uns in die Politik einbringen können, ob es Sinn macht eine eigene Partei zu gründen, oder ob man dann nur im eigenen Saft kocht", so der Organisator des Expertentreffens, Klaus D. Tolliner. In Sachen Mindestsicherung finden sich die Behindertenvertreter übergangen.
Ärgerlich findet die ehemalige ÖVP-Mandatarin Anne Marie Wicher den Plan der Regierung zur Mindestsicherung: "Laut Gesetzesentwurf sollen nur arbeitswillige und arbeitsfähige Personen die Mindestsicherung erhalten können, Menschen mit Behinderung sind damit praktisch ausgeschlossen", gibt Wicher zu bedenken. Sie ist selbst Rollstuhlfahrerin und ist im steirischen Landtag eineinhalb Jahrzehnte für die Rechte behinderter Menschen eingetreten. Ähnlich fiel im Pressegespräch das Urteil des Grünen-Gemeinderates Heinz Baumann aus: "Der Plan ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, die Ausrichtung auf arbeitende Personen ist jedoch für Behinderte ein Wahnsinn".
Allianzen und Netzwerke
Neben Diskussion und Information soll in der Grazer Veranstaltung zwischen dem 3. und 7. August die Bildung von Allianzen und Netzwerken aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten nicht zu kurz kommen. Mehr als 30 Veranstaltungen umfasst das Programm, das einen Bogen von sportlichen Aktivitäten über Kreativität bis zu den klassischen Themen wie barrierefreies Bauen und persönliche Assistenz reicht. Im Rahmen einer Projektwerkstatt können die behinderten Teilnehmer ihre Projektideen, die die Belange behinderter Menschen betreffen vorstellen und evaluieren lassen.
Auch über den Weg der Stadt Graz in eine barrierefreie Zukunft können sich die Teilnehmenden selbst überzeugen, und zwar bei einem Spaziergang mit einer Expertin für barrierefreies Bauen des Stadtbauamtes. "In Graz stehen wir ganz gut da und müssen uns, was Barrierefreiheit anbelangt, sicherlich nicht verstecken", so Wicher.
















