Pleitestadt ersparte sich die Zockerei
Grazer Schuldenberg kratzt an der Milliarden- Euro-Grenze. Einziger Trost: Anders als Bund und manche Gemeinde hat Graz nicht gezockt.

Foto © Erwin Scheriau
Helle Aufregung herrschte zuletzt um die Bundesfinanzierungsagentur, die Millionen an Steuergeldern verzockte. Auch Gemeinden wie Hartberg gerieten mit riskanten Finanzgeschäften in die Schlagzeilen. Die Kleine Zeitung wollte nun genauer wissen, wie das Finanzmanagement der Stadt Graz abläuft. Die Lage ist ja trist: Der Schuldenberg kratzt an der Milliarden-Euro-Grenze. Aber zumindest von dubiosen Konten auf Cayman Islands und Hochrisiko-Veranlagungen scheinen die städtischen Finanzjongleure die Finger zu lassen.
Zu den Gläubigern der Stadt zählen nämlich überwiegend heimische Top-Institute. Auch die Kredite der Stadttöchter GBG und Graz AG - sie haben derzeit Darlehen von 373 und 70 Millionen Euro laufen - haben Raiffeisen, Hypo Steiermark und Co. als Finanzgeber. Mit den Krediten, die die Stadt selbst abzustottern hat, steht Graz bei den Banken mit rund 936 Millionen Euro in der Kreide. "Die Kreditzinsen sind mit durchschnittlich 3,5 Prozent sehr niedrig", so Stadtrechnungshofchef Günter Riegler.
480 Millionen Umsatz
Schon vor der Krise hat der Rechungshof städtische Finanzgeschäfte durchleuchtet - ohne dass je der Verdacht des Zockens aufgekommen wäre. Mit der Grazer Unternehmensfinanzierungs GmbH hat sich die Stadt quasi eine eigene Bank geschaffen. Diese nützt Überschüsse städtischer Firmen, um Finanzlöcher zu stopfen. 480 Millionen Euro werden jährlich bewegt, 71 Millionen Kapital stehen zur Verfügung.
"Das Ziel ist: Viel Liquidität bei möglichst wenig eingesetztem Geld und risikoarmer Veranlagung", sagt ÖVP-Stadtrat Gerhard Rüsch.

















