Brillantes Finale der styriarte
Jordi Savall und die Seinen begeisterten mit einer spirituellen Reise nach Jerusalem, Landsleute aus Barcelona mit einem frischen Singspiel.
Hier die Kakophonie von Schofar und Annafir, dort das Gezirpe des Psalteriums: So weit auseinander wie die Klänge der Mauern stürzenden Widderhörner und langhalsigen arabischen Trompeten und jener der orientalischen Zither liegen auch Traum und Realität von Jerusalem als Stadt des himmlischen wie irdischen Friedens.
"Viele haben uns davor gewarnt, ausgerechnet Jerusalem zum Fokus eines Projekts über friedvolle Koexistenzen auszuwählen", verriet uns Jordi Savall im Interview. Wie sehr diese Warnung für den Wind ist, bewies der Meistergambist nicht nur auf einer ungemein prachtvollen CD-Veröffentlichungen auf seinem Label Alia Vox, sondern zum Finale der styriarte nun auch in der vollen List-Halle.
Was der 68-Jährige da auf der Bühne versammelt, gleicht einer musikalischen UNO-Friedenskonferenz. Rund 40 Künstler aus Israel, Armenien, Griechenland, dem Irak und seine eigenen Vielvölkertruppen "La Capella Reial de Catalunya" und Hespèrion XXI" setzten sich zusammen, um eine klingende Chronik jenes Ortes zu recherchieren und zu schreiben, dessen Schicksal von den drei monotheistischen Weltreligionen geprägt ist.
Ob der "Unsterbliche im Himmel" nun als Jahwe, Allah oder Gott beschworen wird, Savall und seine bunte Schar bündeln fern nackter Folklore die Quellen aus Talmud, Koran oder Bibel mit Beseeltheit zu einem Hohelied der Hoffnung und natürlich auch zu einem politischen Statement. "Gegen die Schranken des Geistes" heißt Savalls Fanfare, mit dem er den Schlusspunkt des nicht nur musikalisch denkwürdigen Abends setzte. Und das Publikum bejubelte nicht bloß ein Konzert, sondern ein Ereignis.
















