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Zuletzt aktualisiert: 24.07.2009 um 22:02 UhrKommentare

Die Mur ist kein Spielplatz für Anfänger

Ein Murschwimmer sorgte für Aufsehen. Er warnt nun selbst: Wer sich in den Fluss wagt, sollte über die Gefahren Bescheid wissen.

Kajakfahrer sind in der Mur keine Seltenheit

Foto © Nina HöneckeKajakfahrer sind in der Mur keine Seltenheit

Baden in der Mur - früher einmal war das normal. Geri Aicher (47) erinnert sich, dass er als Siebenjähriger beim Kalvarienberg plantschen durfte. Doch dann kam eine lange Zeit, in der sich die Mur als schmutzig brauner Fluss im Bewusstsein der Grazer festsetzte. Schwimmen in der Mur? Seit der Fluss saniert ist, wagen sich immer wieder welche in die Fluten. Aicher organisierte ab 2003 vier Mal die "Schwimmtour de Mur" von Weinzödl bis zur Tegetthoff-Brücke und konnte 2006 immerhin 130 Mitschwimmer begeistern. "Dann sprangen leider die Sponsoren ab, aber ich würde es sofort wieder machen, wenn es jemand finanziert", sagt er. "Wir wollten zeigen, dass die Mur nicht mehr so schmutzig ist und man wieder etwas mit ihr machen kann."

Die Mur lebt, davon kann man sich im Sommer durch die Kajak-Freestyler und die Wellenreiter bei der Radetzky- und der Hauptbrücke fast täglich überzeugen. Murschwimmer hingegen zählen nach wie vor zu einer Spezies, mit der man in Graz nicht rechnet: Als sich am Donnerstag ein 39-jähriger Mann von der Kalvarienbergbrücke Richtung Hauptbrücke treiben ließ, löste eine besorgte Passantin einen Großeinsatz von Rettungskräften aus.

Dabei wollte der Mann nur schwimmen wie er es schon mindestens 40 Mal getan hat in der Mur. Der Wirbel um seinen Ausflug ist ihm jetzt aber so unangenehm, dass er Ungeübte dringend warnen will: "Ich bin Kajakfahrer und kenne mich daher mit diesem Gewässer aus. Die Mur ist nichts für den Breitensport, dafür gibt es zu viele Gefahren."

Gefährlicher Fluss

Ins selbe Horn stößt die Feuerwehr, die mit Murschwimmern im Stadtgebiet keine Freude hat. Zwischen 30 und 40 Menschen jährlich werden in Graz von der Feuerwehr aus der Mur geborgen, die Selbstmordversuche mitgerechnet. Die Strömung ist stark, dazu kommen viele große Steine, Glassplitter, alte Fahrräder und Metallteile, die auf dem Grund des Flusses liegen und für jeden Schwimmer zur tödlichen Gefahr werden können. Auch die Wassertemperatur liegt weit unter jener eines Badeteiches oder Schwimmbades. Schließlich: Die Mur erreicht die Gewässergüteklasse II, hat aber keine Badewasserqualität, wie Michael Hochreiter von der Gewässeraufsicht des Landes betont.

Dennoch wird die Mur künftig nicht nur Kajakfahrer und Wellenreiter, sondern auch Schwimmer in ihren Bann ziehen. Auf die Aufregung wie am Donnerstag kann der Grazer in Zukunft aber verzichten: "Jedes Mal, wenn ich schwimmen gehe, werde ich es bei der Feuerwehr anmelden."

HANNES GAISCH

Kajakfahren

Der Kajaksport erlebt in Graz einen Boom. Den Kanu Club gibt es schon lange, früher bestand er aber aus wenigen Spitzenathleten wie Uschi Profanter oder Gerhard Peinhaupt. 2001 wurde in der Mur die Welle gebaut, jetzt zählt der Klub bereits 60 aktive Freestyler. Ende August fahren einige zur Weltmeisterschaft in die Schweiz. Ein Kurs für Einsteiger dauert mehrere Tage, "dann kann man bereits leichte Gewässer befahren", erklärt Dieter Strömer. Im Winter üben die Kajakfahrer übrigens im ATG-Bad ihre Technik.

Wellen

Für Surfer gibt es auf der Mur zwei Wellen - unter der Haupt- und unter der Radetzkybrücke, letztere findet sich gar schon im "Stormriders Guide", weltweit die Bibel der Wellenreiter. In Graz entwickelt sich die Szene seit sieben Jahren immer stärker, der Klub Murbreak zählt derzeit knapp 40 Mitglieder. Eigene Kurse werden zwar nicht angeboten, weitere Wellen wären aber willkommen, sagt Sprecher Peter Bartl. Einige der Surfer in Graz haben sich auf Flüsse spezialisiert. Jedes Jahr gibt es eine Flusssurf-Meisterschaft.

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