Slacklining: Großstädter außer Rand und Band
Slackliner, urbane Seiltänzer: Sie hocken, baumeln, hängen, tänzeln - und das alles auf einem drei Zentimeter breiten Seil. Anbandeln und Ausruhen für Großstädter.

Foto ©
Wunderland liegt zwischen zwei Bäumen, einige Zentimeter über dem Erdboden. Einzige Verbindung: ein wenige Zentimeter breites Seil. Hängebrücke zwischen Himmel und Erde. Reinhard Kleindl steht wie ein gelassener Stelzvogel auf dem orangen Band, seine Beine zittern vor Anstrengung, seine Hände hat er in die Hosentaschen geschoben, als würde er gerade irgendwo am Strand entlangflanieren. Danach setzt er sich in den Schneidersitz, hängt wie ein Z auf dem Band, um dann wieder brezelförmig zwischen Wiese und Himmel zu baumeln. Er hantelt herum wie die Affen im Dschungel. Stadtaffen und Artisten in ihrer Manege, dem Großstadtdschungel. Hereinspaziert.
Wanderzirkus Slackliner
Kleindl ist vor drei Jahren aufs Slacklinen gestoßen. Seine Anfänge waren gleich wie bei den anderen: Zitterknie, zerbissene Unterlippe und Grasflecken am Hosenboden. Am Wochenende sind die Grazer Parks voll mit jenen, die sich ausprobieren am laufenden Band. Erkennbar durch die ersten skeptischen Schritte. So wie man Eis prüft, bevor man seinen Fuß darauf setzt.
Für Kleindl sind die paar Zentimeter Band mittlerweile schon zu einem Gral der Gelassenheit geworden. "Für mich ist es echt entspannend. Ich kann richtig abschalten." Mittlerweile hat sich der Journalist aus Graz schon in die Elite der Slackliner hochgeklettert. Er ist einer von zwei Österreichern, die es schaffen, auf dem Seil einen Rückwärtssalto - "Backflip" - zu machen und stehend wieder zu landen. Mit diesem Trick erlangte Kleindl den zweiten Platz bei einem Slackline-Contest bei den "Natural games" in Millau.
Am Wochenende sind er und seine Freunde im Grazer Augarten anzutreffen. Zwischen den Bäumen, auf dicht bewachsenen Wiesen, denn die bremsen den Aufprall, sollte ein Kunststück danebengehen. Neben die Slackline. Immer wieder werden Kleindl und seine Freunde von Schaulustigen für Seiltänzer von einem gastierenden Wanderzirkus gehalten.
Aufbäumen und -zäumen
Anders als bei den Seiltänzern ist das Seil nicht so straff gezurrt, es schwingt mit den Bewegungen des Slackliners. "Eine defensive Art der Freizeitgestaltung." Das Set kostet zwischen 60 und 150 Euro. Baum wie Wiese stehen zur freien Verfügung und Vergnügung. Trotzdem, bevor Kleindl und Wittibschlager ihre Seile spannen, wird die Rinde der Bäume noch mit Matten vor Abschürfungen geschützt. Abgestürzt sind sie alle schon einmal. "Man probiert es noch einmal", sagt Kleindl, die Arme von sich gestreckt, "weil, ein bisserl ist es ja wie fliegen." So wie es am Leiberl von Kleindls Freund steht: "Instead of dying, I'm flying."
















