Er baut Denkmäler, dauerhafter als Erz
Er ist eine Literatur-Hoheit, die einzigartig ist in diesem Land. Alfred Kolleritsch wird gebührende Ehre zuteil - er erhält den Nabl-Preis.

Foto © APAAlfred Kolleritsch mit "Dichterfreund" Peter Handke
Wem es nie ein Wort verschlagen hat, dem ist nicht zu helfen. Eine Erfahrung, die natürlich Dichter weitaus besser kennen als jeder andere - und Alfred Kolleritsch, dieser Monolith, nicht nur in der österreichischen Literaturlandschaft, musste häufig um Sprache ringen. Vor allem in der Öffentlichkeit, vor allem, weil es ja in seinen stürmischen Anfangsjahren zahllose erbärmliche Versuche gab, ihn und Gleichgesinnte mundtot zu machen.
"Kulturland". Seit fast sechs Jahrzehnten hat er ganz maßgeblichen Anteil daran, dass auch im einstmals verkrusteten, dumpfen, bornierten und reaktionären "Kulturland" Österreich der Boden für zeitgenössische Literatur aufbereitet werden konnte. Viele Konflikte und Skandale standen am Beginn des Weges, speziell durch die von ihm herausgegebenen "manuskripte", die in den Anfangsjahren immer wieder Rufe nach Zensur und sogar nach Beschlagnahmung auslösten. Ganz abgesehen davon, dass damals das von ihm mitbegründete Forum Stadtpark als Ort des Bösen firmierte.
Dichterfreunde. Aber er und seine Dichterfreunde, von Peter Handke, Klaus Hoffer, Wolfgang Bauer bis zu Gerhard Roth, misstrauten sowohl dem angeblich gesunden Menschenverstand massiv, der herrschenden Moral noch mehr, daher waren sie weder imstande noch gewillt, lyrische Hausapotheken zu produzieren oder literarische Linderungssalben zu verabreichen. Sie störten, sie störten auf, nach der Maxime: Wer geduckt steht, der will auch andere biegen. Die Pflicht zu einer Haltung, die Alfred Kolleritsch, als Mentor, Förderer, Entdecker neuer Talente, in vielfacher Art und Weise weitergab.
Kettenreaktion. Nicht biegen ließ er sich auch, als er, nach einer fatalen Kettenreaktion an Komplikationen, vor einigen Monaten etliche Wochen lang in ein tiefes Koma fiel. Er ist wieder da, der Fredi, wie ihn all seine Freunde nennen, und er wird gebührend gefeiert. Er erhält die höchste literarische Auszeichnung der Stadt Graz, den mit 14.500 Euro dotierten Franz-Nabl-Preis.
"Gründervater der Literaturstadt Graz". Gewürdigt wird damit nicht nur der "Gründervater der Literaturstadt Graz", geehrt wird auch ein großer Dichter, dessen Sprachdenkmäler, beginnend mit dem Roman "Die grüne Seite", dauerhafter sind als Erz.
Beständigkeit. Dichtern wie Alfred Kolleritsch, die mit dem denkbar flüchtigsten Material arbeiten, nämlich mit dem Wort, verdanken wir Werke von wunderbarer Beständigkeit und Dauer, die auch ein legendäres Wort von Hölderlin wieder als angebracht erscheinen lassen: "Was bleibet aber, stiften die Dichter."
Lehrmeister. Fast ein großer Heimatautor ist Alfed Kolleritsch, wenn wir diese Vokabel nur richtig verstehen. Aber eben auch in diesem anderen Verstehen war und bleibt er der größte und wichtigste Lehrmeister.
















