Lichterkette gegen "rechte Hetze"
Am Donnerstagabend gingen in Graz und Wien die Menschen für mehr Toleranz auf die Straße.

Foto © KLZ/David BauerDie Lichterkette am Grazer Hauptbahnhof
"I feel angry, I feel helpless, I wan't to change the world", ertönt es aus den Musikboxen vor dem Wiener Parlament. Das Lied der Rockgruppe Greed hat zur Atmosphäre der Aktion "Lichterkette 2009" am Donnerstag gepasst. Bereits zu Beginn der Veranstaltung haben sich 600 Menschen, später mehr als dreitausend vor dem Parlament in Wien eingefunden, um ein Licht für mehr Zivilcourage und Freude an der Vielfalt anzuzünden. Von Marlene Streeruwitz bis hin zu Robert Menasse.
Spontan gegründet.
Romy Grasgruber und Maria Sofaly, zwei Studentinnen aus Wien, haben die Initiative spontan gegründet. "Ich befürchte nicht, dass sich politisch etwas ändert", erzählt der Demonstrant Johannes, "trotzdem bin ich hier um gegen diesen braunen Dreck ein Zeichen zu setzen."
Grazer Lichterzug.
In Graz nahmen am Donnerstagabend 500 Menschen am Lichterzug vom Hauptbahnhof über die Annenstraße zum Mariahilferplatz teil. Organisiert hatten die Demo die beiden Grazer Thomas Eitzenberger und Jörg Vogeltanz. Der Grazer Kinderchor "Keplerspatzen" intonierte "Freude schöner Götter Funken" und "Bridge over trouble water", die Menschen erhoben die Kerzen zum kleinen Lichtermeer.
"Keine Revolution". Einer der Organisatoren, der steirische Karikaturist und Comic-Zeichner Jörg Vogeltanz, meinte: "Wenn man uns auch als Kerzelrmarschierer bezeichnet, so wissen wir, wir lösen keine Revolutionen aus, wir wollen das auch gar nicht, aber wir treten gegen die Verblödung der politischen Kultur durch alle Fraktionen auf. Wir beziehen Stellung." Weiters meinte Vogeltanz: "Migrationen sind eine Tatsache, Monokulturen sind nicht nur im Pflanzenreich schädlich. Wir müssen längst fällige Anpassungen durchsetzen."
Stingl für Vielfalt.
Der beliebte Grazer Altbürgermeister Alfred Stingl erntete als einer der Hauptredner gegen die Angstmache Applaus: Er sprach sich für "Vielfalt und für die Rechte der Minderheiten aus. Über faschistoides Gedankengut dürfen wir nicht schweigen". Verleugner und Rechtsradikale dürften keine Chance in diesem Land haben.
Harmonisch.
Die Veranstaltung verlief ausgeprochen friedlich und harmonisch. Am Ende der Veranstaltung gab es sogar für die eingesetzten Polizisten freundlichen Applaus und "Bravo"-Rufe. Gegen 21.30 Uhr stiegen schließlich einige Dutzend weiße Luftballons mit Friedensbotschaften in den Himmel.
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Lichterketten in Graz
Treffpunkt war ab 19 Uhr am Hauptbahnhof. Bis 19.45 Uhr wurde Straßentheater und Live-Musik geboten. Danach setzte sich der Lichterzug über die Annenstraße zum Mariahilferplatz in Bewegung.
Ab 20.45 Uhr hielten dort Altbürgermeister Alfred Stingl, Pfarrer Hermann Glettler, Superintendent Hermann Miklas und Vizebürgermeisterin Lisa Rücker Reden.
Mehr Anzeigen
Die Anzahl der Anzeigen wegen rechtsextremer Umtriebe ist zuletzt öster-reichweit stark gestiegen: Von 419 im Jahr 2006 auf 752 im Jahr 2007 und 831 im Jahr 2008. Einen rückläufigen Trend gibt es hingegen bei den Verurteilungen nach dem Verbotsgesetz von 1947



















