So stoppt Stockholm die Drogen
Die ganze Stadt kämpft dagegen an, dass Jugendliche Drogen, Alkohol und Nikotin verfallen.

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Es ist ein Langfristprojekt, das sich die Stadt Stockholm auf ihre Fahnen geschrieben hat: "Stan" - die Abkürzung für ein intensives Programm gegen Drogen-, Alkohol- und Tabakmissbrauch von Jugendlichen. Nach rund zehn Jahren Vorarbeiten und Überlegungen wurde es 2004 beschlossen und wird jetzt auf Bezirksebene umgesetzt.
Eingebunden sind praktisch alle öffentlichen Stellen - Schulen, Magistrat, Polizei, Kliniken und Soziale Dienste mit insgesamt 42.000 Bediensteten. Stockholm selbst hat rund 800.000 Einwohner. Die Stadt teilt sich in 14 Bezirke auf, die naturgemäß ganz unterschiedliche Bevölkerungsstrukturen haben.
Kooperation. Kernpunkt des gesamten Konzeptes ist die Erkenntnis, dass die drei Bereiche "Prävention", "Intervention" und "Therapie" zusammengehören, erklärt Eriksson Anders, der das Projekt bei der Streetworker-Tagung in Graz vorstellte. Tatsächlich werden in dem Konzept systematisch alle Bereiche und Verantwortlichkeiten erfasst und letztlich zusammengeführt.
Schlüsselrolle. "Das Wichtigste bei der Vorbeugung ist die Kooperation", erläutert Anders. Eine Schlüsselrolle nehmen dabei die Schulen ein, die engen Kontakt mit den Eltern halten. "Es gibt regelmäßige Treffen mit den Eltern in den Schulen. Dabei wird Vertrauen aufgebaut, und neben anderen Themen wird eben auch über Alkohol und Drogen gesprochen." Tatsächlich sei es inzwischen bereits so, dass Schulen, die etwas auf sich halten, ganz intensiv Kontakt mit den Eltern suchen. Eingebunden sind auch die Sozialen Dienste.
Wachsendes Interesse. "Das dauert nach natürlich lange, eine Kooperation aufzubauen. Aber wir sehen wachsendes Interesse bei den Schulen und bei den Eltern." Alterslimits beim Verkauf von Alkoholika sind ebenso wichtig wie an jene Eltern heranzukommen, die selbst betroffen sind.
Medienkampagne. Als eine Art "Überbau" sorgt die Stadt mit einer großen Medienkampagne jedes Jahr mit Flugzetteln und Info-Broschüren bei Jugendlichen und Eltern für zusätzliche Aufklärung. Zur Prävention gehört die Preispolitik bei Alkoholika, Alterslimits (18 Jahre) und die Verkaufspolitik (staatliche Verkaufstellen).
Erfahrungsaustausch. Auch im Interventionsbereich - wenn also Jugendliche kriminell werden - gibt es mittlerweile in Stockholm schon enge Kooperationen. Die Sozialen Dienste wie die Streetworker und die Polizei treffen sich regelmäßig und tauschen Erfahrungen aus. "Bisher hat ja jede Seite nur ihr Problem gesehen. Aber wir brauchen beide Seiten, denn beide Seiten haben große Erfahrung mit den Jugendlichen."
Respekt. Am Beginn muss gegenseitiger Respekt davor stehen, was die jeweils andere tut. Anders verhehlt aber auch nicht, dass dies ein langwieriger Prozess war und ist. "Man muss sich gegenseitig einen Vertrauensvorschuss geben. Dann kann man viel voneinander lernen", ist Anders überzeugt: "Wir brauchen die Professionisten aller Gebiete."
Investieren in Prävention. Letztlich will man die letzte Stufe - die Therapie und medizinische Versorgung - entlasten. "Das kostet den Steuerzahler ja eine Menge. Gerade in der Krise ist es wichtig, mehr in die Prävention zu investieren."
Die Maßnahmen hier sind: Ansprechpunkte, Entzugseinrichtungen bezirksweise. Die Bezirke müssen auch für Streetworker sorgen. Zwar haben die Schweden schon bisher im Europa-Vergleich ganz gute Zahlen vorzuweisen gehabt, aber die Regierung will noch wesentlich mehr erreichen. Die Erfolge sind für Anders durchaus schon jetzt sichtbar. "Die Hochrisikogruppe ist ein gewisser, sehr kleiner Prozentsatz. Die wird man wahrscheinlich nie erreichen. Aber die Risikogruppe, also jene, die abzukippen drohen, ist sehr viel größer, und diese Jugendlichen kann man sehr wohl erreichen."

















