Marionetten der Digitalisierung
Medienexperte Norbert Bolz über technische Abhängigkeit.
GRAZ. Der Deutsche Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz sieht klassische Medien noch lange nicht am Ende. In der Digitalisierung ortet der Professor der Technischen Universität Berlin auch Gefahren.
Sie prophezeien, dass der Gegensatz zwischen "vernetzt und nicht vernetzt" bald größer sein wird als jener zwischen arm und reich. Eine Gefahr?
NORBERT BOLZ: Jene, die sich aus Ignoranz der Digitalisierung verweigern, setzen sich einem hohen Risiko aus. Nämlich mit der technisch-gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr mitzukommen und auf lange Sicht nicht mehr produktiv sein zu können. Imponierend sind intelligente Digitalisierungsverweigerer wie das Marketing des Schreibgeräteherstellers "Montblanc", das handgeschriebene Briefe verschickt.
Was ist die größte Zumutungen der Digitalisierung?
BOLZ: Zu erwarten, dass Sie ständig erreichbar sind und bereit sind, Anweisungen entgegen zu nehmen. Die Privatsphäre geht völlig verloren. Theoretisch kann man alles ausschalten, macht man es aber, spürt man sofort, dass die Balance nicht stimmt. Die alte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit verwischt immer mehr. Das ist eine starke psychische Belastung für die Menschen.
Steht auch eine Änderung beim Fernsehverhalten bevor?
BOLZ: In der Zeit von Aktivität und Interaktivität vergisst man gerne, dass die Menschen auch eine Sehnsucht nach Passivität haben. Ich sage immer, man schaltet den Fernseher ein, um abzuschalten. Dieses Bedürfnis wird nie aussterben.
Fakten
Norbert Bolz und der Soziologe Manfred Prisching sprechen morgen um 19.30 Uhr im Grazer Minoritensaal über "Die digitale Gesellschaft und ihre Feinde."
















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