SPÖ "nicht Fisch und nicht Fleisch"

Foto © Erwin Scheriau
Sind diesmal tatsächlich mehr traditionelle Wähler der SPÖ zu Hause geblieben als Wähler der ÖVP?
HERMANN SCHÜTZENHÖFER: Es sind viele Wähler zu Hause geblieben, das war beim letzten Mal schon so. Das Erfreulich ist, dass wir den Platz gewechselt haben. Die SPÖ war ein Prozent vor der ÖVP, jetzt sind wir 6,5 Prozent vor der SPÖ.
Wie erklären Sie sich als erfahrener Politiker den Umstand, dass es der SPÖ in der Steiermark sogar noch schlechter ging als im Bund, obwohl sie eine eigenständige Linie fährt?
SCHÜTZENHÖFER: Das Krakeelertum ist nicht bei den beiden Großparteien zu Hause. Die steirische SPÖ hat heute zur Kenntnis nehmen müssen: Sie kann rechts und links niemanden überholen. Man ist entweder Verantwortungsträger, das spürt man bei dieser Partei nicht mehr, oder man ist Opposition. Fisch oder Fleisch. Beides geht nicht.
Was bedeutet das Ergebnis für die Landtagswahl 2010?
SCHÜTZENHÖFER: Es ist erfreulich für uns, vom zweiten auf den ersten Platz gerückt zu sein. Punkt.
Hat sich die Hoffnung verstärkt, dass Sie es im ersten Anlauf schon wieder schaffen zurück zur Nummer 1 im Land?
SCHÜTZENHÖFER: Da würde ich sehr vorsichtig sein. Das ist heute ein schöner Tag für die steirische ÖVP, aber ich warne vor falschen Rückschlüssen. Jeder Wahl hat ihre Eigengesetzlichkeit. Heute ist keine Vorentscheidung gefallen.
Haben Sie für sich persönlich das Gefühl, wieder festeren Boden unter den Füßen zu haben?
SCHÜTZENHÖFER: Ich habe das Gefühl, dass Verlässlichkeit und Stabilität wieder eine Chance bekommen gegen Beliebigkeit und Krakeelertum.
Und was fällt Ihnen zum Grazer Ergebnis ein?
Dort kennt man die SPÖ nur noch vom Hörensagen älterer Mitbürger. Der SPÖ ist im ersten Jahr in der Opposition nichts eingefallen, ich glaube gar nicht, dass jemand auf Anhieb weiß, wer die Partei gerade führt.

















