"Er ist ein Wegbereiter für Neonazis"
SS-Veteran aus der Steiermark musste sich am Mittwoch in Klagenfurt wegen Wiederbetätigung vor Gericht verantworten. Prozess wurde vertagt.
"Ewiggestrige wie er sind die Wegbereiter für junge Neonazis", sagt Staatsanwalt Franz Simmerstatter. Doch junge Menschen sind im Schwurgerichtssaal des Klagenfurter Landesgerichts weit und breit keine zu sehen: Es sind hauptsächlich Männer und Frauen jenseits der 70, die sich diesen Wiederbetätigungsprozess ansehen. Die mit Zwischenrufen stören und dem Staatsanwalt bissige Blicke zuwerfen. Gleich in der zweiten Reihe hat Ex-FPÖ-Mann Otto Scrinzi Platz genommen.
Verherrlichung.
Und ganz vorne auf der Anklagebank sitzt er: der ehemalige Untersturmführer in der Leibstandarte Adolf Hitlers. Mittlerweile 85 Jahre alt. Sein Anwalt (86) verteidigte neulich Holocaustleugner Gerd Honsik. Der Angeklagte hier sei ein Idealist, meint der Jurist. "Er ist für die Erhaltung des deutschen Volkes."
"Der Verdächtige verbreitet und verherrlicht nationalsozialistisches Gedankengut", bringt es der Ankläger auf den Punkt. Die Stimmung im Publikum ist gereizt, Ordnungsrufe fallen.
Glorifizierung.
Bei dem Treffen der "Politischen Akademie" in Feldkirchen wurde keiner zur Ordnung gemahnt. Bei dieser Veranstaltung vor vier Jahren konnte der Steirer in Ruhe referieren. "Er trug aus seinen Büchern vor und glorifizierte Hitler", wettert der Ankläger. An die Geschworenen gewandt, zitiert der Staatsanwalt einige Aussagen des Angeklagten. "Gegenüber Journalisten sagte der Mann Sätze wie: Der ewige Jude, ja, ja..." Oder: "Die Juden hatten am 11. September ihre Hände im Spiel."
Vertagt.
Ja, er lehne die Rassenvermischung ab, betont der Angeklagte auch jetzt vor Gericht. Neben sich den Gehstock, vor sich einen Becher Wasser, sagt er laut und deutlich, was er denkt. Auch dem Staatsanwalt. "Sie haben ja keine Ahnung", zischt er den Ankläger an. Der kontert: "Sie, werden S? nicht frech." Der SS-Veteran erbost sichtlich. Hitler sei eine große Persönlichkeit gewesen, sagt er trotzig. Ganz ruhig fragt der Staatsanwalt: "War das NS-Regime ein verbrecherisches Regime?" "N-E-I-N!" antwortet der 85-Jährige. Das genügt vorerst.
Der Prozess wird vertagt.













