Familiendrama mit scharfem Whiskey-Dunst
Enda Walshs beklemmende Farce auf der Probebühne.

Foto © Bühnen Graz
Sind es die Leichen, von denen erzählt wird, die Mutter hätte aus dem Mund noch nach Whiskey gerochen und der Alte habe im Suff mit seinem Boot die Wiese rasiert? Oder ist es das Stück selbst, das den Eindruck erweckt, als sei es im Maischebottich entstanden? Enda Walsh, geboren 1967 in Dublin, liefert jedenfalls eine Sozialstudie, die an Irrsinn unüberbietbar ist und die auf der Probebühne im Schauspielhaus voller Unbehagen und mit Assoziationen zum Fall Fritzl entlässt.
Es ist ein Spiel im Spiel, wenn der Vater seine in der Londoner Sozialwohnung gefangen gehaltenen zwei Söhne täglich zur subjektiven, blutrot gefärbten Inszenierung seiner Familientragödie zwingt. Wie ein penibler Regisseur achtet Oberhaupt Franz Solar dabei auf jedes Wort und jede Requisite - ein Psychopath, meisterhaft gemimt. Für Beklemmung sorgt neben Claudius Körber und Mira Tscherne auch Franz Josef Strohmeier in verschiedenen Frauenrollen - ein genialer, psychologisch versierter Verwandlungskünstler.
Verstörend. Wirkt die schäbig graue Einwandererbude von Sabine Freude mit vielen Bauchladen-Verstecken zunächst noch witzig, lässt Regisseurin Bernadette Sonnenbichler keinen Spalt zum Ventilieren oder gar Lachen in der außerordentlichen, verstörenden österreichischen Erstaufführung.
"The Homefront. Eine irische Farce". Von Enda Walsh. Probebühne im Grazer Schauspielhaus: 2., 16. Juni (20 Uhr). Karten: Tel. (0 31 6) 8000.
















