Fiat bessert Opel-Konzept nach
Laut deutschem Wirtschaftsminister zu Guttenberg äußert sich der italienische Autohersteller präziser zu Risikoverteilung und Eigenkapitalausstattung.

Foto © APAMagna Werk in Graz
Der italienische
Autokonzern Fiat gibt sich im Rennen um die Übernahme von Opel nicht
geschlagen. Um einen Zuschlag für den österreichisch-kanadischen
Autozulieferer Magna zu verhindern, besserte Fiat sein Bieterkonzept
am heutigen Samstag noch einmal nach. "Wir haben ein umfassenderes
Konzept in den letzten Stunden bekommen", sagte der deutsche
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Samstag in Berlin.
Es gebe auch bei den beiden anderen Bietern Bewegung. "Wir spüren
Verhandlungsbereitschaft an allen Stellen."
Details.Guttenberg berichtete, dass sich Fiat nun genauer zur
Risikoverteilung und zur Eigenkapitalausstattung geäußert habe. Es
gelte nun, alle drei Bieter "im Spiel zu halten". Bei der Zeitspanne
für eine Entscheidung sei ausschlaggebend, wann der
Opel-Mutterkonzern General Motors den Antrag auf Gläubigerschutz nach
US-Insolvenzrecht (Chapter 11) stelle. Das könnte nächste Woche der
Fall sein.
Dritter Mitbieter. Neben Fiat und Magna hatte auch der Finanzinvestor RHJ für Opel
geboten. Nach Beratungen der deutschen Bundesregierung mit den
Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten hatte sich
am Freitag eine Präferenz für Magna abgezeichnet. Allerdings wurden
Nachverhandlungen wegen der geplanten Stellenstreichungen gefordert.
Fiat plante bisher weitaus massivere Jobkürzungen als Magna. Begrüßt
wurde das Magna-Konzept auch vom Opel-Händlerverband Euroda. Sein
Vorsitzender Jaap Timmer verwies darauf, dass Magna als
Autozulieferer keine eigene Vertriebsorganisation in der
Automobilbranche habe. "Das ist natürlich bei Fiat ein bisschen
anders."
Verständnis geäußert. Von den vier deutschen Bundesländern mit Opel-Standorten hatte nur
Nordrhein-Westfalen ablehnend auf das Magna-Angebot reagiert, da im
Werk Bochum 2.200 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck äußerte Verständnis
für diese Position, zeigte sich aber zugleich skeptisch zum neuen
Fiat-Angebot. Er kenne das neue Konzept zwar noch nicht, aber es
müsse "schon sehr, sehr viel passieren", damit man das Angebot
annehmen könne. Das bisherige Angebot sei nämlich "ein Fiat-Modell,
kein Opel-Modell". Beck sagte intensive Beratungen bis zu einer
Neubewertung am Montag voraus.
Grund zur Freude. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch, dessen Land das
Opel-Stammwerk Rüsselsheim beherbergt, zeigte sich erfreut vom neuen
Angebot der Italiener. "Die Reaktion von Fiat zeigt: Die kämpfen um
Opel. Das ist eine tolle Nachricht für alle, die Sorge um die
Arbeitsplätze (bei Opel) haben", sagte Koch im ZDF.
Hohe Forderung. Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, dass
Magna zusätzlich zu staatlichen Subventionen auch die Übernahme von
Opel-Pensionslasten in Höhe von drei Milliarden Euro fordere. Aus
Teilnehmerkreisen der Minister-Gesprächsrunde vom Freitag verlautete
jedoch, dass diese Frage weiterhin offen sei und Magna dies nicht zur
Vorbedingung gemacht habe. Fiat hatte die Frage der Pensionslasten
nicht erörtert. Magna, Fiat und der Finanzinvestor RHJ sehen in ihren
Übernahme-Konzepten Staatsbürgschaften zwischen knapp fünf und sieben
Milliarden Euro vor, Magna will zudem 700 Millionen Euro eigenes Geld
in den Autokonzern stecken.
Wohltätige Zwecke. Der "Spiegel" berichtete, dass Magna auch angeboten habe, jährlich
zwei Prozent seines Nettogewinns für wohltätige Zwecke spenden zu
wollen. Weil Magna "nur" 2.500 Jobs in Deutschland streichen will,
gilt sie als Favorit für einen Einstieg bei Opel. Der Zulieferkonzern
will mit seinem russischen Partner Sberbank, der 35 Prozent an Opel
übernehmen soll, vor allem den russischen Markt erobern. Dort gibt es
nach Angaben von Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf ein Absatzpotenzial
für eine Million Fahrzeuge. Sberbank soll dem Konzept zufolge künftig
mit General Motors größter Opel-Eigner sein (jeweils 35 Prozent),
Magna würde 20 Prozent der Anteile halten, die Mitarbeiter zehn
Prozent.
Überlebenskampf. Die ums Überleben kämpfende Opel-Mutter General Motors hat sich
indes vorzeitig weitere vier Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro)
Dollar von der US-Regierung geliehen. Ursprünglich hatte GM erklärt,
bis zum 1. Juni weitere 2,6 Milliarden zu benötigen. In einer Eingabe
hieß es jetzt aber, noch vor diesem Termin seien zusätzlich 1,4
Milliarden nötig. Zuvor hatte der Autobauer bereits 15,4 Milliarden
Dollar an Staatshilfen erhalten. US-Präsident Barack Obama äußerte
sich in einem am Samstag ausgestrahlten TV-Interview zuversichtlich
zur Zukunft von General Motors. "Sobald die Wirtschaft wieder anzieht
und GM seine Umstrukturierung abgeschlossen hat, wird es wieder
aufwärts gehen", sagte er.

















