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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 um 14:36 UhrKommentare

Fiat bessert Opel-Konzept nach

Laut deutschem Wirtschaftsminister zu Guttenberg äußert sich der italienische Autohersteller präziser zu Risikoverteilung und Eigenkapitalausstattung.

Magna Werk in Graz

Foto © APAMagna Werk in Graz

Der italienische Autokonzern Fiat gibt sich im Rennen um die Übernahme von Opel nicht geschlagen. Um einen Zuschlag für den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna zu verhindern, besserte Fiat sein Bieterkonzept am heutigen Samstag noch einmal nach. "Wir haben ein umfassenderes Konzept in den letzten Stunden bekommen", sagte der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Samstag in Berlin. Es gebe auch bei den beiden anderen Bietern Bewegung. "Wir spüren Verhandlungsbereitschaft an allen Stellen."

Details.Guttenberg berichtete, dass sich Fiat nun genauer zur Risikoverteilung und zur Eigenkapitalausstattung geäußert habe. Es gelte nun, alle drei Bieter "im Spiel zu halten". Bei der Zeitspanne für eine Entscheidung sei ausschlaggebend, wann der Opel-Mutterkonzern General Motors den Antrag auf Gläubigerschutz nach US-Insolvenzrecht (Chapter 11) stelle. Das könnte nächste Woche der Fall sein.

Dritter Mitbieter. Neben Fiat und Magna hatte auch der Finanzinvestor RHJ für Opel geboten. Nach Beratungen der deutschen Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten hatte sich am Freitag eine Präferenz für Magna abgezeichnet. Allerdings wurden Nachverhandlungen wegen der geplanten Stellenstreichungen gefordert. Fiat plante bisher weitaus massivere Jobkürzungen als Magna. Begrüßt wurde das Magna-Konzept auch vom Opel-Händlerverband Euroda. Sein Vorsitzender Jaap Timmer verwies darauf, dass Magna als Autozulieferer keine eigene Vertriebsorganisation in der Automobilbranche habe. "Das ist natürlich bei Fiat ein bisschen anders."

Verständnis geäußert. Von den vier deutschen Bundesländern mit Opel-Standorten hatte nur Nordrhein-Westfalen ablehnend auf das Magna-Angebot reagiert, da im Werk Bochum 2.200 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck äußerte Verständnis für diese Position, zeigte sich aber zugleich skeptisch zum neuen Fiat-Angebot. Er kenne das neue Konzept zwar noch nicht, aber es müsse "schon sehr, sehr viel passieren", damit man das Angebot annehmen könne. Das bisherige Angebot sei nämlich "ein Fiat-Modell, kein Opel-Modell". Beck sagte intensive Beratungen bis zu einer Neubewertung am Montag voraus.

Grund zur Freude. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch, dessen Land das Opel-Stammwerk Rüsselsheim beherbergt, zeigte sich erfreut vom neuen Angebot der Italiener. "Die Reaktion von Fiat zeigt: Die kämpfen um Opel. Das ist eine tolle Nachricht für alle, die Sorge um die Arbeitsplätze (bei Opel) haben", sagte Koch im ZDF.

Hohe Forderung. Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, dass Magna zusätzlich zu staatlichen Subventionen auch die Übernahme von Opel-Pensionslasten in Höhe von drei Milliarden Euro fordere. Aus Teilnehmerkreisen der Minister-Gesprächsrunde vom Freitag verlautete jedoch, dass diese Frage weiterhin offen sei und Magna dies nicht zur Vorbedingung gemacht habe. Fiat hatte die Frage der Pensionslasten nicht erörtert. Magna, Fiat und der Finanzinvestor RHJ sehen in ihren Übernahme-Konzepten Staatsbürgschaften zwischen knapp fünf und sieben Milliarden Euro vor, Magna will zudem 700 Millionen Euro eigenes Geld in den Autokonzern stecken.

Wohltätige Zwecke. Der "Spiegel" berichtete, dass Magna auch angeboten habe, jährlich zwei Prozent seines Nettogewinns für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. Weil Magna "nur" 2.500 Jobs in Deutschland streichen will, gilt sie als Favorit für einen Einstieg bei Opel. Der Zulieferkonzern will mit seinem russischen Partner Sberbank, der 35 Prozent an Opel übernehmen soll, vor allem den russischen Markt erobern. Dort gibt es nach Angaben von Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf ein Absatzpotenzial für eine Million Fahrzeuge. Sberbank soll dem Konzept zufolge künftig mit General Motors größter Opel-Eigner sein (jeweils 35 Prozent), Magna würde 20 Prozent der Anteile halten, die Mitarbeiter zehn Prozent.

Überlebenskampf. Die ums Überleben kämpfende Opel-Mutter General Motors hat sich indes vorzeitig weitere vier Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) Dollar von der US-Regierung geliehen. Ursprünglich hatte GM erklärt, bis zum 1. Juni weitere 2,6 Milliarden zu benötigen. In einer Eingabe hieß es jetzt aber, noch vor diesem Termin seien zusätzlich 1,4 Milliarden nötig. Zuvor hatte der Autobauer bereits 15,4 Milliarden Dollar an Staatshilfen erhalten. US-Präsident Barack Obama äußerte sich in einem am Samstag ausgestrahlten TV-Interview zuversichtlich zur Zukunft von General Motors. "Sobald die Wirtschaft wieder anzieht und GM seine Umstrukturierung abgeschlossen hat, wird es wieder aufwärts gehen", sagte er.


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