Graz kämpft gegen die Bio-Invasoren
Aus anderen Weltregionen eingedrungene Pflanzen verbreiten sich auch in Graz sehr rasch und werden so zur Plage. Die Stadt arbeitet an Strategien zur Abwehr.

Foto © NaturschutzbundDas Drüsige Springkrau verbreitet sich durch SAmen und wird bis zu zwei Meter hoch
Die Biologen sprechen von invasiven Pflanzen. Dabei geht es um Neuankömmlinge, die durch Zufall (verunreinigtes Saatgut) oder auch beabsichtigt (als Zier- oder Nutzpflanze) aus anderen Weltgegenden in unsere Breiten gebracht wurden. Sie treffen bei uns auf ein Öko-System, dem ihre natürlichen Feinde fehlen. Sie breiten sich darin sehr schnell aus und stören oder verdrängen sogar das bestehende Öko-System.
Uberwuchern. In Graz haben sich einige dieser Neophyten, wie sie auch genannt werden, vor allem entlang der Mur und der anderen Bachläufe massiv ausgebreitet und drohen alles andere zu überwuchern. Mit einem eigenen Folder versucht die Abteilung für Grünraum und Gewässer der Stadt Graz die Bevölkerung zur Mithilfe im Kampf gegen diese Bio-Invasoren zu bewegen. Und auch andere Strategien werden überlegt. Thema war das weiters in der letzten Sitzung des Naturschutzbeirates.
Drei Meter hohe Pflanze. Der Angriff einer solchen Pflanzenart lässt sich jetzt schon am Leonhard- und Ragnitzbach beobachten. Der dort sich massiv ausbreitende Japanische Staudenknöterich hat jetzt schon eine beträchtliche Höhe und Dichte erreicht. Diese - wie schon aus dem Namen unschwer erkennbar - ursprünglich in Ostasien beheimatete mehrjährige Pflanze wird bis zu drei Meter hoch. Die Blütezeit ist im August.
Ausgraben der Ausläufer. Neben der Verdrängung der heimischen Vegetation trägt der Staudenknöterich auch zur Ufererosion bei. Die Bekämpfung ist gar nicht so einfach. "Da sich diese Pflanze durch weit und tief reichende Ausläufer vermehrt, ist es mit dem Abmähen nicht getan. Ein sorgfältiges Ausgraben der Ausläufer ist sehr mühsam", erklärt der Naturschutzbeauftragte Wolfgang Windisch. Das Abmähen sollte auf jeden Fall vor der Samenbildung erfolgen.
Für Menschen schädlich. Es gibt aber auch Bio-Invasoren, die selbst für den Menschen nicht ganz harmlos sind. Ein typisches Beispiel dafür ist der aus dem Kaukasus-Raum stammende Riesen-Bärenklau, auch Bauernrhabarber oder Herkuleskraut genannt. "Er ist zwar, vor allem zur Blütezeit, sehr dekorativ, man sollte ihn aber nicht ohne Handschuhe anfassen", warnt Windisch. Denn der Pflanzensaft enthält Stoffe, die bei Berührung, vor allem bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung, zu verbrennungsähnlichen Hautschäden führen.
Gestörte Öko-Systeme. Besonders leicht haben es die Invasoren in Gegenden, wo das Öko-System ohnehin schon gestört ist. Deshalb sei neben der direkten Bekämpfung und Verhinderung der Ausbreitung die Wiederherstellung eines intakten Öko-Systems ganz wichtig. Windisch: "Das kann etwa durch das Pflanzen von heimischen Bäumen und Sträuchern erfolgen."
Überlegungen. In Graz bemüht sich vor allem die Berg- und Naturwacht um die Pflege der Bachläufe und -ufer. Jetzt werden in der Abteilung für Grünraum und Gewässer aber Überlegungen angestellt, wie man weitere Kapazitäten zur Bekämpfung der Invasoren einsetzen könnte.
Features
Fakten
Das aus dem Himalaja stammende Drüsige Springkraut mit auffälligen rosa bis hellroten Blüten wird bis zu zwei Meter hoch. Es verbreitet sich durch Samen. Zur Bekämpfung wird das Abmähen vor der Blüte empfohlen, das Mähgut sollte entfernt werden.
Die Bio-Invasoren als Bedrohung
Die Neobioten - das sind Neuankömmlinge aus dem Tier- und Pflanzenbereich - werden auch als "Aliens" bezeichnet.
Zu den invasiven Pflanzen gehört bei uns noch die aufrechte Ambrosie, die ein Ackerunkraut ist und schwere Allergien auslöst.
Die rote Wegschnecke zählt bei uns zu den verbreitetsten tierischen Invasoren.
Vom Kartoffelkäfer, seinerzeit aus Amerika eingeschleppt, können vor allem die heimischen Bauern ein Lied singen.
Die Varroa-Milbe stammt ursprünglich aus Java und bereitet heute unseren Imkern große Sorgen.
Weitere Invasoren im Tierreich: Miniermotte, Platanen-Gitterwanze, Nutria, Wanderratte, Zitterspinne.














