Drogen-Substitutionsverordnung wird novelliert
Im Hintergrund schwelen offenbar weiterhin Diskussionen über die verwendeten Substitutionsmittel - Fachleute sind gespalten.
Die derzeit geltende Verordnung zur Regelung der Drogen-Substitutionsbehandlung für Opiatabhängige wird nach rund zwei Jahren Geltung mittelfristig novelliert. "Derzeit sind die beratende Gremien damit beschäftigt, sich die Verordnung anzusehen und Empfehlungen abzugeben", hieß es dazu am Mittwoch im Gesundheitsministerium. Im Hintergrund schwelen offenbar weiterhin Diskussionen über die verwendeten Substitutionsmittel.
Substitutionsmittel. Mittlerweile gibt es in Österreich bereits mehr als 10.000 Opiatabhängige, welche die Substitutionsmittel Methadon, Buprenorphin oder retardiertes Morphin erhalten. Das ermöglicht eine medizinische Betreuung und die soziale Stabilisierung der Betroffenen. Gleichzeitig gibt es naturgemäß auch eine gewisse Schwarzmarktproblematik bezüglich der Substitutionsmittel. Unter Experten für Diskussionen sorgt offenbar ein Gezerre in der Pharmaindustrie-Branche um Marktanteile für die verschiedenen Substitutionsmittel, die offenbar automatisch für Aufmerksamkeit sorgt.
Drogenabhängige. Der Wiener Drogenbeauftragte Alexander David: "Die Substitutionsbehandlung für Drogenabhängige bekommt zum Unterschied von allen anderen medizinischen Behandlungen unglaubliche Aufmerksamkeit gewidmet. Das ist klar. Wir sind eines der wenigen Länder, in denen retardiertes Morphin für die Substitutionstherapie überhaupt erlaubt ist. Wir haben drei Substanzen zur Auswahl: Methadon, Buprenorphin und retardiertes Morphin. Das ist genau geregelt."
Patienten. Retardiertes Morphin kommt offenbar den Opiaten vom illegalen Markt am nächsten, weswegen es relativ häufig von den Patienten gewünscht und verschrieben wird. In der Verordnung ist bisher von Methadon und Buprenorphin als erste Mittel der Wahl die Rede. Todesfälle in Verbindung mit Substitutionsmitteln kommen vor allem bei der Verwendung von "Cocktails" vor. Insgesamt - so wissenschaftliche Studien - verhütet die Drogenersatztherapie eher schwere Zwischenfälle.
Bundesland. Der Zugang ist offenbar von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich. David: "Es gärt da zum Beispiel seit zwei Jahren in der Steiermark. Es gibt dort auf politischer und auf der Ebene der Polizei Druck, die retardierten Morphine zu verbieten. Die Fachleute in Graz sind gespalten." Aktionen eines Pharma-Mitbewerbers, der zwei Buprenorphin-Präparate auf dem Markt habe, sieht David kritisch: "Mir gefällt das nicht. Ich halte es für hoch problematisch, wenn man drogenpolitische Fragestellungen mit Therapie und Marketing vermischt."
Substitutionsmedikamente. Laut David gibt es keine Hinweise, wonach sich mit einer allfälligen Novellierung der Substitutionsverordnung etwas an der Möglichkeit verändern könnte, die Verwendung der vorhandenen Medikamente anders als bisher zu regeln. Laut dem Experten wird Österreich auch in absehbarer Zeit bundesweit bessere statistische Daten über den Gebrauch der Substitutionsmedikamente haben.


















