Motorentwickler AVL rechnet nach Rekordjahr 2009 mit Umsatzminus
Nach plus 18 Prozent 2008 stellt sich CEO List auf 10 bis 15 Prozent weniger ein - Mitarbeiterstand bei 4.500 gehalten - Chancen bei Hybrid- und Elektroantrieben.

Foto © APAList, CEO des Grazer Motoren- und Antriebsentwicklers AVL
Die Krise der Automobilindustrie trifft auch den Motoren- und Testsystemehersteller AVL: Für das laufende Jahr rechnet CEO Helmut List mit einem Umsatzrückgang um 10 bis 15 Prozent. 2008 war man hingegen noch stark gewachsen: Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 740 (nach 625) Mio. Euro. Trotz des schwierigen Jahres sei das Grazer High-Tech-Unternehmen gut aufgestellt, technologisch und global: Die eigenen Stärkefelder CO2-Reduktion, Elektrifizierung, Hybrid- und Batterieentwicklung sollten nach der Krise noch mehr gefragt sein.
Die AVL-Anpassungen im Personalbereich beschränkten sich bisher hauptsächlich auf den Abbau von 150 Leiharbeitern sowie auf interne Flexibilisierungen bei der Arbeitszeit, der Personalstand von 2008 (4.500 Mitarbeiter im Konzern, über 2.000 in Graz) konnte gehalten werden. Einschneidende Maßnahmen wie Kurzarbeit oder freiwilliger Lohnverzicht seien laut List "aus heutiger Sicht kein Thema".
Genügend Projekte. "Wir haben genügend Projekte, aber die Aufträge werden zurückgehalten oder verkleinert", berichtete List im APA-Gespräch am Dienstag. Dennoch gebe es im ersten Quartal 2009 noch Wachstumssegmente, etwa im Bereich Software, in dem 700 Mitarbeiter beschäftigt sind. Auch gebe es aus China und Indien schon erste deutliche Signale einer Aufwärtsbewegung. Vom Kurs, selbst massiv in Forschung und Entwicklung zu investieren, werde man nicht abgehen, im Gegenteil: Im Jahr 2009 habe man die Eigenentwicklung von zehn auf elf Prozent des Umsatzes ausgebaut. Mit diesem Bekenntnis zu F&E verbindet List auch den Appell an die Politik, gerade hier unterstützend zu wirken.
Neues Tätigkeitsfeld. Ein relativ neues und stark wachsendes Tätigkeitsfeld der AVL ist die Batterienentwicklung, und zwar weniger die Forschung an den Lithium-Ionen-Zellen selbst, sondern deren Integration von Modulen und Batteriepaketen mittels Software und Regelungstechnik in das Fahrzeug. "Auch im thermischen und Savetymanagement ist noch viel drinnen", weiß List. Trotz großer Fortschritte stellten Reichweite und Kosten noch immer eine "Riesen-Limitierung" dar.
Kostenbewusster und effizienter. Der AVL-Chef ist überzeugt, dass das Auto nach der Krise "weltweit gesehen voll zurückkommen wird", allerdings kostenbewusster und effizienter: "Alle werden dazugelernt haben". Eine Zeit lang werde es Parallelentwicklungen geben: Elektromotoren, Verbrennungsmotoren mit und ohne Hybrid. Die kommenden zehn bis 20 Jahren werde der Hybrid dominieren, und zwar der Mild und der Micro Hybrid. Der Elektromotor mit Range Extender (kleiner Verbrennungsmotor für die Stromproduktion, Anm.) könne in zehn Jahren etwa zehn bis fünfzehn Prozent am Markt ausmachen. Dass der Verbrennungsmotor ausgedient hat, glaubt der Motorenentwickler dennoch nicht: Schon jetzt bringe der Hybrid etwa in der beim Diesel komplizierteren Abgasnachbehandlung große Vorteile, die zweite Generation von Biokraftstoffen landwirtschaftlicher und abfallstofflicher Provenienz werde in Zukunft neue Perspektiven eröffnen. In diesen neuen Feldern sei die AVL dabei, "schneller und wirklichkeitsnah Antriebssysteme zu optimieren", zeigte sich List optimistisch, das Tal schon 2010 überwunden zu haben.















