Schauspielhaus Spielplan: Zeit der großen Gefühle
Mit sehr viel Emotion präsentierte Anna Badora ihre Vorhaben für ihre vierte Saison im Schauspielhaus Graz. Und noch viel emotionaler sollen die Stücke ausfallen.

Foto © APAIn der kommenden Saison wird der Filmemacher Götz Spielmann am Grazer Schauspielhaus sein eigenes Stück "Imperium" inszenieren
Zwei Klassiker zum Saisonstart, das klingt auf Anhieb nicht unbedingt nach Wagnis und Risikofreude. Aber auch daraus lassen sich bekanntlich viele Funken schlagen. "Wir beginnen mit einem schlimmen Stück, dessen Titel ja bis heute in Großbritannien gar nicht ausgesprochen werden darf, weil er Unglück bringt", sagt Hausherrin Anna Badora, die zum Auftakt Shakespeares "Macbeth" präsentiert.
Vierte Saison. Dass sie dabei aber ganz bewusst auf ein sehr junges Ensemble vertraut, ist ein markanter Leitfaden für die Vorhaben in ihrer vierten Saison. "Uns geht es um eine möglichst große Spannbreite, aber auch um einen unkonventionellen Spagat, um neue Verbindungen zwischen scheinbar Konträrem, zwischen alt und jung, aber vor allem auch um Emotionen aller Art."
Lovestory. So avisiert denn auch ihre Chefdramaturgin Regina Guhl mit Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" (Regie: Christina Rast) "die schönste Love-Story aller Zeiten". Und Anna Badora will auch mit ihrer zweiten Regie-Arbeit großes Gefühlstheater bieten. Sie inszeniert Wajdi Mouawads "Verbrennungen", ein immens berührendes Bühnenwerk über menschliches und politisches Grauen und über den Crash von Kulturen und Weltanschauungen.
Heimkehrer.
Der internationale Trend, sich im großen Fundus der Epik zu bedienen, geht weiter. Mit der szenischen Version des Brenner-Krimis "Das ewige Leben" nach dem Erfolgsroman von Wolf Haas (in einer Dramatisierung von Pia Hierzegger). Und vor allem mit der theatralischen Aufbereitung von Sándor Márais grandiosem Roman "Die Glut": Den Bühnentext schuf der britische Erfolgsdramatiker Christopher Hampton, ein Heimkehrer wird die Hauptrolle spielen: Helmuth Lohner, der einstmals in Graz als "Hamlet" agierte, konnte engagiert werden. Regie führt Ingo Berk, dessen "Radetzky-Marsch" zu einem Saison-Höhepunkt wurde. Dass Oscar-Anwärter Götz Spielmann mit dem Burgstar Peter Simonischek das Macho-Stück "Imperium" realisieren wird, haben wir unlängst exklusiv vermeldet.
Senkrechtstarter.
Garantiert unkonventionell ausfallen wird Ferenc Molnárs "Liliom" in der Deutung von Viktor Bodó, dessen Bildmagie ja mittlerweile großen internationalen Ruf genießt. Stichwort unkonventionell: Dies gilt auch für die Umsetzung des John-Cassavetes-Films "Opening Night" durch Cornelia Crombholz. Im Darwin-Jahr bietet Christian Winkler unter dem Titel "Die Entstehung der Arten" ein "dokufiktionales Abenteuer". Sehr gespannt sein darf man auf die Inszenierung von Grillparzers "Weh dem der lügt" durch den Senkrechtstarter Tobias Kratzer, der beim "Ring Award" ganz groß auftrumpfte.
Emotionales Finale. Für ein emotionales Finale dürfte Franz Wittenbrink mit einem weiteren Liederabend sorgen. Und für Zuversicht die derzeitige Auslastung: Sie liegt bei 81 Prozent und ist somit um rund zehn Prozent höher als im Vorjahres-Vergleich.

















