Jetzt will er völlig neue Datenschätze heben
Hermann Maurer (68) wurde in die Leitung der Europäischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Dort will er in neue Dimensionen vordringen.

Foto © Erwin ScheriauInformationswissenschaftler Hermann Maurer
Eigentlich muss man ihn nicht vorstellen. Hermann Maurer gehört zu den bekanntesten Forschern in Lande. Als "Internet-Guru" war er Vorreiter in Sachen Internet (Stichworte sind "Mupid", BTX), Datenvernetzung und Informationsbeschaffung.
68. Geburtstag. Am Sonntag wird der gebürtige Wiener 68 Jahre alt - aber von Pensionistendasein keine Spur. Während des Gesprächs springt Maurer energiegeladen auf, zeigt Zeitschriften und Bücher her. Hinter ihm piepst ständig der E-Mail-Postkasten - Maurer ist mit der ganzen Welt vernetzt. Jetzt mehr denn je, denn nun wurde er zum Vorsitzenden der Sektion Informatik der Europäischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Und schon ist er voll Tatendrang: "Ich plane in Graz eine Tagung der etwas anderen Art zu organisieren - ich will Informatiker und Biologen zusammenspannen."
Der Informationswissenschaftler Maurer sieht nämlich große Möglichkeiten in der Vernetzung von Medizinern und Biologen mit der Informatik: "Die Mediziner wissen ja gar nicht, auf welchen Datenschätzen sie sitzen." Das Stichwort heißt: Analysieren von großen Datenmengen. Man könnte in neue Dimensionen vordringen, neue Muster und Erklärungen in den Daten finden, die bislang ungeklärte Krankheiten aufklären, wie etwa den plötzlichen Kindstod.
Steckenpferde. Mindestens so reichhaltig wie seine Forscheraktivitäten sind Maurers Steckenpferde. Seit Jahren ist er ein Bewunderer von Ozeanien. In Polynesien im Südpazifik hat er auf einer Nachbarinsel von Bora-Bora sogar ein Grundstück gekauft; ihn zieht es dorthin auch wegen seiner Tauchleidenschaft. Reisen ist eines seiner großen Hobbys. Und zu Hause in der Steiermark? Da fährt der Grazer schnell mal nach Bad Mitterndorf, um in Windeseile einen Science-Fiction-Roman zu schreiben: Zehn Bände umfasst bereits seine Reihe XPerten: "Ich versuche da, ein bisschen in die Zukunft zu schauen und das in eine spannende Handlung einzubetten".
Markenzeichen. Nicht immer gehen allerdings seine Prognosen auf, wie Maurer freimütig einbekennt. Seit er in den 60er-Jahren in Berkeley (USA) eine Wette verlor, es würden bald keine Krawatten mehr getragen werden, "muss" er stattdessen eine Kette tragen. Längst sind aber seine Ketten zu einem unverwechselbaren Markenzeichen geworden.
Nicht nur Forscher. Maurer ist nicht nur Forscher: "Ich war immer sehr gerne Hochschullehrer. Mit Menschen zu arbeiten und sie zu fördern, die viel Hirn haben - das ist eine Hetz. Viele meiner Schüler sind ja viel gescheiter als ich", kokettiert er. Sein größtes Bildungs- und Vernetzungsprojekt wird ihn noch Jahre beschäftigen: Eben baut er das ultimative Nachschlagewerk über Österreich auf - im Internet, versteht sich.
Features
Fakten
Hermann Maurer wurde 1941 in Wien geboren und studierte dort und auch in Calgary Mathematik.
1978 wurde er an die Technische Universität Graz berufen und prägte den Aufbau der Fachrichtung Telematik bzw. Informatik entscheidend mit.
Maurer wurde Leitungsmitglied der "Academia Europaea", die 2000 Mitglieder, darunter 39 Nobelpreisträger, umfasst.















