Prozess: Versand um 1,2 Mio. Euro geschädigt
Der Otto-Versand fühlt sich um 1,2 Millionen Euro geschädigt. Fünf Geschäftsleute angeklagt.

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"Bleiben Sie doch sitzen", fordert Vorsitzender Raimund Frei den Verteidiger des Hauptangeklagten auf. "Seit 40 Jahren stehe ich auf. Ich kann nicht anders", lehnt Anwalt Hans Lehofer ab. Im Laufe des Vormittags wird er am Donnerstag noch mehrmals sich selbst und vor allem seine Stimme erheben: "Wo ist denn der Schaden?", poltert er.
Anklage. Der besteht laut Ankläger Johannes Winklhofer darin, dass ein Angestellter des Otto-Versands bzw. von UNITO (Universal/Otto) sechs Jahre lang zu überhöhten Preisen Druckaufträge an eine Firma vergeben hat und dafür Provisionen einstreifte. Bei einer zweiten Firma, die er mit Aufträgen versorgte, war er stiller Teilhaber. Stimmt, was Winklhofer beweisen will, hat er sich dort als Kunde selbst Scheinrechnungen gestellt oder überhöhte Preise bezahlt, die er als stiller Teilhaber kassiert und zusammen mit Provisionen eingesteckt hat. Otto soll insgesamt ein Schaden von mehr als 1,2 Millionen Euro entstanden sein.
Geschäftsführer.
Die Anklagebank ist mit fünf Angeklagten gut gefüllt. Schuldig der Untreue fühlen sich aber nur die zwei Geschäftsführer der zweiten Druckerei. Aber auch die Schadenshöhe, die sie verursacht haben, ist strittig. Und das ist wörtlich zu verstehen: Es wird gestritten.
Das Gutachten, auf dem die Anklage basiert, sei "rechtlich falsch" und "absurd", argumentieren Lehofer & Co. Die Preise waren marktüblich. Was die Provisionen angeht, erklärt die Chefin der ersten Druckerei: "Das war branchenüblich. Ich habe fortgesetzt, was mein Vorgänger bei Großkunden auch gemacht hat." - "Das ist eine etwas komische Geschäftstätigkeit", hält Richter Frei den Angeklagten vor.
Drei Wochen gibt der Schöffensenat den Anwälten Zeit für Fragen, Anträge und Argumente. Dann wird weiter gestritten.



















