ÖVP-Stadträtin Sonja Grabner: "Nein, ich bereue nichts"
Die designierte ÖVP-Stadträtin Sonja Grabner im Interview über die Kritik aus der eigenen Partei, ihre Befähigung zur Politikerin und das Problem mit dem hohen Ausländeranteil in Grazer Schulklassen.

Foto © KLZ DIGITALDie neue ÖVP-Stadträtin Sonja Grabner
Frau Grabner, noch vor Ihrer heutigen Angelobung als Stadträtin im Gemeinderat werden Sie massiv aus der eigenen Partei attackiert - überrascht Sie dieser Gegenwind?
SONJA GRABNER: Was meinen Sie konkret mit Gegenwind?
Dass sich viele VPler wundern, warum Bürgermeister Nagl eine Grazer Stadträtin aus Bruck holen muss; dass Sie bisher noch nie politisch aufgefallen sind; dass Ihre Biographie nicht mit Ihren künftigen Ressorts übereinstimmt . . . Noch bevor Sie sich politisch geäußert haben, bekommen Sie aus der ÖVP schon Beton - was ist da los?
GRABNER: Also die Wohnfrage würde ich gerne ein für allemal klären: Mein Sohn wurde schon im Februar in die HIB Liebenau aufgenommen, im Sommer wären wir also ohnehin nach Graz gezogen. Ich bin auch schon bei einigen Immobilienmaklern vorgemerkt. Durch die neue Situation hat sich das alles nur beschleunigt, ich habe eben schon jetzt in Graz eine Wohnung.
Was halten Sie den Kritikern entgegen? Was befähigt Sie als Quereinsteigerin zur Stadträtin?
GRABNER: Dass ich zuhören und auf die Menschen zugehen kann, man muss für die Leute da sein. Das ist Politik. Darin sehe ich auch meine Verantwortung.
Bereuen Sie den Wechsel in die Politik schon?
GRABNER: Nein, ich bereue nichts. Ich freue mich auf die Aufgabe, die sehr verantwortungsvoll ist.
Was wird Ihre erste politische Handlung sein?
GRABNER: Das wäre jetzt unseriös zu sagen. Der Schreibtisch ist voll, die ganzen Themen sind durchzuarbeiten - dann werden wir schauen, was wir angehen.
Konkret zu Ihren Ressorts: In vielen Schulen liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund jenseits der 90 Prozent. Wie kann man hier gegensteuern?
GRABNER: Die Lehrer müssen in diesen Schulen wieder ihre eigentliche Arbeit machen können, nämlich die Kinder ausbilden. Wir wollen dort, wo der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache auf über 50 Prozent klettert, die Klassenschülerzahl reduzieren. Aber umsetzen muss das der Bund.
Sie erhalten das Wirtschaftsressort mit einem Budget von 4,5 Millionen Euro. Kann Graz etwas gegen die Krise tun oder ist alles ohnehin nur symbolisch?
GRABNER: Natürlich können wir etwas tun - wir müssen auf die Leute zugehen, eine positive Stimmung machen. Wir müssen erfragen, welche Unterstützung notwendig ist und wo sie gebraucht wird. Das Ziel muss sein, die Stärken zu stärken.
Wie soll das gelingen? Ein Förderfüllhorn können Sie ja nicht ausschütten.
GRABNER: Nicht über Einzelförderungen, aber wir werden Konzepte erarbeiten, um einzelne Sparten zu stärken.
Gibt es konkrete Maßnahmen?
GRABNER: Nein.


















