Mattes Licht auf unbekannten Komponisten
Eine Rarität beim "Psalm"- Festival: John Tuders "Lamentationes Jeremiae".
Über den englischen Renaissance-Komponisten John Tuder weiß man so gut wie nichts. Nur zwei Manuskripte sind von ihm überliefert. Umso schöner ist es, dass sich die "styriarte" eines dieser Bände annimmt, in ihrer jährlichen Lamentationen-Reihe beim "Psalm"-Festival.
Das Trio "Ala Aurea" um die Kölner Sopranistin Maria Jonas stellte Tuders um 1475 komponierten "Lamentationes Jeremiae" in der Helmut-List-Halle vor, Musik, die ein- bis dreistimmig musiziert werden kann und beim ersten Hören beachtliche Widerstände hervorruft. Zu nahe am einstimmigen Choral scheinen sich die melodischen Linien zu bewegen. War es nicht gerade England, das mit Tuders Vorgänger John Dunstable das Tor in die Ausdruckswelt der Neuzeit aufgestoßen hatte? Dunstable gegenüber wirkt die spätere Musik Tuders wie eine damals vielleicht übliche Aufführungsweise des gregorianischen Chorals. Nur vereinzelt finden sich leuchtende Terzpassagen. Das 15. Jahrhundert war offensichtlich mehrschichtig.
Eingeschränkte Ausdruckskraft. Was Tuders Musik aber eigentlich am Strahlen hinderte, war die eingeschränkte Ausdruckskraft von Maria Jonas' Stimme, besonders zur Höhe hin. So blieb abstrakt, was Entdeckung hätte sein könnten.
Am Freitag beim "Psalm"-Festival: "Oh captain! my captain!" mit Mathias Hausmann in der Helmut-List-Halle, 19 Uhr. Restkarten: Tel. (0 31 6) 825 000.

















