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Zuletzt aktualisiert: 01.04.2009 um 05:55 UhrKommentare

UPC-Arena Graz: 1 : 0 für Sacher-Masoch

Sturm Graz spielt künftig in der Sacher-Masoch-Arena. Stadtrat Riedler nahm den Ball des Grazer Stadtschreibers Péter Zilahy für eine Umbenennung des Stadions auf.

Die UPC-Arena soll fortan den Namen des Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch tragen

Foto © KLZ DIGITAL/ScheriauDie UPC-Arena soll fortan den Namen des Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch tragen

Auf Anregung des Grazer Stadtschreibers Péter Zilahy nimmt das ehemalige Arnold-Schwarzenegger-Stadion künftig den Namen Sacher-Masoch an. In der Pressekonferenz am Dienstag begrüßte Stadtrat Wolfgang Riedler Zilahys Vorschlag, der bald dem Gemeinderat unterbreitet werden soll. Riedler war es auch, der den früheren Namenswechsel des Stadions veranlasste, nachdem der Gouverneur von Kalifornien der Hinrichtung des 61-jährigen Donald Beardslee durch die Giftspritze zugestimmt hatte.

Namensgeber. "Wir machen uns schon lange darüber Gedanken, welche Grazer Persönlichkeit als Namensgeber der Arena geeignet wäre", sagte Stadtrat Riedler (SPÖ) zur Kleinen Zeitung, "und ich gebe auch zu, wir waren von Zilahys Vorschlag zunächst überrascht, doch seine Argumente haben uns überzeugt."

Weltruhm. Der als Historiker ausgebildete und auch als Anthropologe angesehene Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch begann seine Laufbahn in Graz, hier schrieb er auch sein Hauptwerk ("Venus im Pelz", 1870), durch das er später Weltruhm erlangte. 2003 wurde er im Rahmen der Kulturhauptstadt Graz geehrt - Peter Weibel, der Kurator des Sacher-Masoch-Schwerpunkts, bezeichnete ihn als eine der bedeutendsten Grazer Persönlichkeiten.

Trotzdem trägt bis heute kein einziges Museum, keine Gedenkstätte, nicht einmal die kleinste Straße den Namen von Sacher-Masoch, den tausend Fäden mit der Metropole an der Mur verbanden. Hier ging er zur Schule, hier heiratete er, und hier in Graz fand seine Mutter die ewige Ruhe. Zwar wurden eine Suite und ein Kuchen im Hotel Erzherzog Johann nach seiner Ehefrau benannt (sie selbst benutzte den Namen einer der Romanfiguren ihres Mannes als Künstlernamen), doch bis heute zeugt keine einzige Gedenktafel von der Präsenz Sacher-Masochs in Graz, bedauert der aus Ungarn stammende Stadtschreiber.

Marquis de Sade. Der mit Sacher-Masoch häufig in einem Zug genannte Marquis de Sade genießt wahren Kultstatus in Frankreich, wodurch den enstprechenden Gedenkstätten touristisch ein beachtlicher finanzieller Gewinn zukommt. "Warum verzichtet der Grazer Bürger freiwillig auf dieses Geld?", fragt sich Zilahy. "Sollte die Stadt so wohlhabend sein, dass sie eine so lukrative Einnahmequelle außer Acht lassen kann? Dann würde gegenwärtig nicht eine Zeitungspapier anstatt der angehaltenen Zeit auf dem als Wahrzeichen der Stadt geltenden Uhrturm prangen".

Universalgenie. Leopold von Sacher-Masoch lebte mehrere Jahrzehnte in Graz, lehrte an der hiesigen Universität, gab eine Zeitung heraus, schrieb Romane, sein Name ist mittlerweile weltweit ein Begriff. Der französische Philosoph Gilles Deleuze hielt Sacher-Masoch für einen bedeutenden Autor und einen Großmeister der Suspense.

Verschwendung. Es wäre eine Verschwendung, auf diese touristische Attraktion zu verzichten, und neben den üppigen Einnahmen schadet es auch nicht, sich der Vergangenheit zu stellen, wie auch Sturm Graz sich den Gefühlen der Fans beim 100-jährigen Jubiläum stellen muss, nachdem die Mannschaft fünf der letzten sechs Spiele verloren hat", sagt Péter Zilahy, der in mehrfacher Hinsicht betroffen ist, auch als Torkönig der Literaten-Euro im vergangenen Jahr in Wien.

ALICE PETRI

Zur Person

Leopold vonSacher-Masoch, geb. 27. 1. 1836 in Lemberg, gest. 9. 3. 1895 in Lindheim bei Frankfurt.

Studierte Jus, Mathematik und Geschichte in Graz. Formulierte in Büchern wie "Venus im Pelz" (1870) kunstvoll triebhaftes Schmerzverlangen ("Masochismus")

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Foto © Neue Galerie Graz

Bild vergrößernLeopold von Sacher-Masoch Foto © Neue Galerie Graz

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