Wohnen ohne zu zahlen: Der Albtraum Mietnomade
Sie sind eloquent und freundlich, geben sich vermögend und umkompliziert. Andere kommen aus sozial schlechten Verhältnissen - die Rede ist von Mietnomaden.

Foto © kkKein Einzelfall: Solche Bilder bieten sich Vermietern häufig
Bevor der Vertrag unterzeichnet wird, überwiegt das Schauspiel: Das große Auto, die vielen Handys, der gute Anzug - alles nur Show. Mietnomaden sind Profis der Täuschung und Enttäuschung. Das weiß auch Julius Rozner von der Hausverwaltung der Grazer Wohngenossenschaft Ennstal - Neue Heimat (kurz ENW). Nur zu oft muss er sich mit zahlungsunfähigen Mietern herumschlagen, auch wenn diese schon untergetaucht sind.
Finanzieller Härtetest.
"Mietnomade" ist Neudeutsch und bezeichnet Menschen, die sich in (oftmals sogar gehobenen) Wohnungen einmieten, nur um nach zwei Monaten plötzlich nicht mehr zu zahlen. Der Vermieter sieht dann keinen Cent mehr, bleibt aber auf enormen Kosten und oftmals auch einer völlig zerstörten Wohnung sitzen.
Viel schlimmer ist für Rozner allerdings die Unfähigkeit, selbst zu handeln. Zahlt ein Mieter nicht mehr, wird er erst gemahnt, bevor ihm eine Klage ins Haus flattert. Wird der Anwalt einmal tätig, vergehen etwa sechs bis acht Monate, bis eine Räumung der Wohnung möglich wird. Monate, die für private Vermieter zum finanziellen Härtetest werden können. Wenn Schlüsseldienst und Räumungsfirma dann endlich das Schloss öffnen, bietet sich oft ein Bild des Schreckens. Völlig verwüstete Wohnungen, Wasserschäden, Müll und Chaos. Vom Mieter fehlt dann jedoch schon jede Spur.
Fakten
In Österreich gibt es keine Möglichkeit, sich gegen Mietnomaden zu versichern. Zwar ist das über Deutschland möglich, doch mit sehr hohen Kosten und unübersichtlichen Klauseln verbunden, sodass davon eher abzuraten ist.
Der Feind in meiner Wohnung.
Rund 5200 Wohnungen im Großraum Graz und der Steiermark vermietet die ENW. In schlechten Zeiten verschickt die Firma 800 Mahnungen monatlich, etwa 15 Delogierungen stehen pro Jahr an. Momentan ist eine schlechte Zeit. Die Krise klopft an die Tür der Mieter, Kurzarbeit lässt die Geldbeutel schmaler werden. Der Gesamtschaden duch Räumungen beläuft sich für die Firma auf knapp 100.000 Euro im Jahr 2008, rund 6.700 Euro pro Wohnung. Geld, das mit den Mietern verschwindet. Kommt es zur Räumung, sind bereits knapp 70 Prozent der Mieter über alle Berge und nicht mehr auffindbar, was bleibt sind oftmals ein falscher Name, Mietschulden und die hinterlegte Kaution - ein schwacher Trost.
Ungewollte Hilfe.
Wichtig ist Rozner die Unterscheidung zwischen Mietnomaden und sozialen Härtefällen. Ein Entgegenkommen der Firma und auch privater Vermieter ist im Regelfall immer vorhanden. Oft sind es jedoch die Mieter, die auf Anrufe und Briefe nicht reagieren, selbst wenn es darum geht, den Betroffenen Hilfe zu leisten - doch manche wollen einfach nicht zahlen.
Ob es um Raten-Angebote oder Hilfestellung der Caritas geht - reagiert der Mieter nicht, sind Rozner die Hände gebunden. Doch da ist da sind die Mietnomaden ohnehin schon längst weg. Unterwegs ins nächste Chaos.
Features
Tipps
Rozner empfielt privaten Vermietern, sich nicht blenden zu lassen von "Profi-Nomaden". Autos und Geld sind oft nur Show. Regelmäßige Kontrolle der eigenen Objekte gehört ebenso zum Pflichtprogramm wie die Kopie eines Ausweises, um zumindest bei den persönlichen Daten auf Nummer sicher zu gehen.
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Nachforschungen
Ein gutes Zeichen kann es sein, wenn neue Mieter sich bereit erklären, höhere Kautionen zu hinterlegen (etwa sechs Monatsmieten anstatt drei). Wenn der vorherige Vermieter bekannt ist, kann es auch nicht schaden, sich dort Imformationen über neue Mieter einzuholen.



















