"Eine von 8": Zwei Frauen, ein Kampf
Brustkrebs bedeutet immer eine Art Ausnahmezustand. Die Dokumentation "eine von 8" beleuchtet den Alltag zweier Steirerinnen. Eine Notiz.

Foto © Sabine Derflinger/gegenfilm
Der Ausgangspunkt ist bei beiden Frauen derselbe: ein Knoten, ein winziges Etwas, ein Fremdkörper in der Brust, selbst ertastet, zufällig, vor dem Spiegel. Dann der Gang zum Frauenarzt, abgewiesen werden. "Die Arzthelferin hat mich mit den Worten heimgeschickt, die Frau Doktor hat heute keine Zeit mehr, sie ist auf einer Tagung, einen Termin in drei Wochen könnt' ich anbieten", erzählt Frederike von Stechow, gebürtige Deutsche und seit Jahren fixes Ensemblemitglied im Grazer Schauspielhaus.
Mamakarzinom. Als ihr Knoten in der rechten Brust medizinisch als Mamakarzinom, also als bösartiger Tumor der Brustdrüse, identifiziert wird, ist er bereits fünf bis sieben Zentimeter groß. Es ist kurz vor Weihnachten, Ende 2007.
Es folgt der Schock. Der Beginn einer schrecklichen Reise, eine, deren Ausgang ungewiss ist. "Plötzlich war ich mit etwas konfrontiert, womit ich nie gerechnet habe - dass ich krank werde", erinnert sich die heute 41-jährige Schauspielerin zurück. "Es war, als ob ich neben mir stünde, in einem Film sei."
Ein Ausnahmezustand, den auch Marijana Gavric (31) nur allzu gut kennt. Nach der Biopsie, der unausweichlichen Diagnose Brustkrebs, hat die gebürtige Serbin und heute in Feldbach lebende Straßenbahnfahrerin zwar gegenüber ihrem Arzt äußerlich gefestigt reagiert: "Ich hab's Ihnen doch gesagt, dass ich Brustkrebs hab', aber Sie haben mir nicht geglaubt", erzählt sie. Im Inneren ist sie da - die Angst. "Es war schrecklich, es meiner Mutter zu erzählen - am Telefon." Und: "Dass ich zu arbeiten aufhören musste, war wirklich schlimm. Ich liebe meinen Beruf."
Film als Therapie. Gavric hat die Arbeit am Film abgelenkt: von der Chemotherapie, der Frage, wie man es dem eigenen Kind erklärt, dem Haarausfall, der Übelkeit, den Depressionen. "Plötzlich hatte ich wieder etwas zu tun", sagt die junge Frau, als von Stechow sie gefragt hat, ob sie Lust hätte, ihre Krankheit filmisch zu dokumentieren.
Verarbeiten. Der Schauspielerin war nämlich klar: "Ich muss einen Weg finden, den Krebs auch künstlerisch zu verarbeiten." Die Filmidee ward geboren. Von Stechow hat mit einer Handkamera selbst 90 Stunden Filmmaterial aus ihrer nahen Umgebung abgeliefert. In der Wiener Regisseurin Sabine Derflinger ("42plus", "Schnelles Leben" u.v.a.) fand sie eine behutsame Begleiterin. Derflinger über das subjektive Material: "Mir war es wichtig, am ganz normalen Leben der Frauen teilzunehmen."
Eine der Passagen, die die Schauspielerin nie vergessen wird: "Die Angst, mich meinem Sohn ohne Haare zu zeigen. Ich trug Perücken oder Tücher und er mochte sie überhaupt nicht."
Trotz aller Schwere des Themas, ist der Film, ein positiver. "Wir haben viel gelacht, vor und hinter der Kamera."
"Eine von 8", Premiere heute Abend 20.30 Uhr, UCI Annenhof, morgen 17 Uhr, ebenda.
Features
Zum Thema
Fotoserie
Fakten
Steiermark. 2008 erkrankten mehr als 700 Frauen an Brustkrebs. Österreichweit sind rund 4500 Patientinnen in Behandlung. Fazit: "Eine von acht bis neun Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs", sagt Gynäkologe Edgar Petru.
Alter. Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt 63 Jahre. Die genaue Auflistung: Betroffen ist eine von 2500 Frauen unter 30 Jahren, eine von 50 Frauen unter 50 sowie eine von acht bis neun bis zum 85. Lebensjahr. Risikofaktoren. Der Gynäkologe zählt auf: "Höheres Lebensalter, Übergewicht nach den Wechseljahren, eine Hormonersatztherapie über viele Jahre und Kinderlosigkeit." Und: In fünf bis zehn Prozent der Fälle gibt es ein erbliche Vorbelastung.
Vorsorge: "Ab 40 regelmäßig zur Mammographie", mahnt Petru.
















