Deutscher Kriminalistenpreis nach Grazer benannt
Nach dem Grazer Untersuchungsrichter Hans Gross (1847-1915) ist ein Preis benannt, den der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) im März erstmals vergeben wird.
Mit der
Auszeichnung ehrt der BDK Brandenburg Personen "für ihre Verdienste
um die Förderung der Verbrechensbekämpfung, der Kriminalpolizei und
der Kriminalwissenschaften". Erster Preisträger ist der
Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Erardo Cristoforo
Rautenberg.
Kriminalistik. "Wer sich mit der Kriminalistik und ihrer Geschichte befasst,
stößt unweigerlich auf Hans Gross", begründet Andreas Sommer,
Landesgeschäftsführer der BDK Brandenburg, die Wahl des
österreichischen Namensgebers. Tatsächlich zählt der Grazer
Untersuchungsrichter, der im Jahr 1913 in seiner Heimatstadt das
weltweit erste "Institut für Kriminologie" gegründet hat, zu den
"Gründervätern" der Kriminologie. Schon 1893 hatte er mit dem
"Handbuch für Untersuchungsrichter" das erste kriminologische
Lehrbuch überhaupt verfasst.
Ausbildingsgrundlage für FBI. Gross' "Handbuch" galt bis in die 1970er Jahre als
Ausbildungsgrundlage auch beim FBI. Das von ihm initiierte
Kriminologische Institut an der Universität Graz und sein dort
bereits im Jahr 1912 eingerichtetes "Kriminalmuseum" war bis zum
Zweiten Weltkrieg Ziel von Fachexperten aus der ganzen Welt,
schilderte der Grazer Historiker und Jurist Christian Bachhiesl vom
"Hans Gross Kriminalmuseum" der Grazer Uni im Gespräch mit der APA.
Daneben haben das Buch und die Vorlesungen von Hans Gross vielen
Schriftstellern wie u.a. Franz Kafka und Sir Conan Doyle Anregungen
für ihre Texte geliefert.
Dinge als Beweise. Gross war überzeugt, dass bei der Verbrechensklärung nicht nur
Zeugen, sondern vor allem Dinge als Sachbeweise heranzuziehen seien.
Die Ausbildung von Untersuchungsrichtern "am Objekt" stand daher im
Zentrum seiner Bemühungen - eine zu Beginn des vorigen Jahrhunderts
noch unübliche Betrachtungsweise. Zu Gross' Amtszeit sorgte ein
Erlass dafür, dass alle Gerichte der Habsburger-Monarchie
interessante Materialien an das Grazer kriminologische Institut zu
übersenden hatten. Im Laufe der Zeit haben sich unzählige Tatwaffen,
aber auch Körperteile von Opfern, Gifte, Fälschungen und Gipsabdrücke
angesammelt, die in dem vor wenigen Jahren wiedereröffneten
Kriminalmuseum präsentiert werden. 1977 endete die Selbstständigkeit
des Instituts, als es mit dem Institut für Strafrecht zusammengelegt
wurde.

















-Anzeigen


