Betrunkener Autofahrer bedrohte Beamte
"Nüchtern passiert mir gar nix", meinte der Angeklagte. Das Gericht gibt ihm noch eine letzte Chance.
Vor dem Richter steht ein Pensionsvorschussbezieher (53). Schulden? "Wie soll ich sagen?" Einfach die Summe: 80.000 Euro. Rückzahlung mit 400 Euro Monatseinkommen: leider nein. "Wie viele Vorstrafen haben Sie denn?", erkundigt sich Richter Martin Wolf. "Weiß nicht so genau." - "Na, schätzen Sie." - "Ich weiß es wirklich nicht, zehne vielleicht." - "Gut geschätzt", lobt der Richter. Es sind 13.
Gewalt. Die meisten haben irgendwie mit Gewalt zu tun und mit Alkohol. Dieselbe Kombination hat den Südsteirer wieder ins Landesgericht gebracht. Am 3. November des Vorjahres wurde er mit dem Auto von der Polizei aufgehalten. Zeichen einer Alkoholisierung waren unübersehbar, weiterfahren wollte er trotzdem. Als ihm das verwehrt wurde, drohte er einem Beamten sinngemäß an, ihm edle Körperteile auszureißen. Das mag in manchen Landstrichen noch als ortsübliche Unmutsäußerung durchgehen. Dabei mit einer Reitpeitsche auf den Boden zu schlagen aber kaum. Und die Ankündigung, Familien von Polizisten "auszurotten", nennt der Staatsanwalt schlicht "gefährliche Drohung".
Wahnsinn. "Ein Wahnsinn", sagt der voll Geständige kopfschüttelnd. Wie manche sich aufführen. "Nüchtern passiert mir gar nix." Und warum er dann trinkt? "Das war ein schwarzer Tag!" Jahrelang, seit seiner letzten Haftentlassung, war er trocken und daher nie aggressiv. "Ich hätte nur eine Bitte: Dass ich eine Bedingte krieg'." Was kühn ist bei seinem Vorleben. Der Richter gibt ihm dennoch eine "einzige und letzte Chance": acht Monate bedingt. "Wenn Sie wieder trinken, sperren Sie sich selber ein, und wenn Sie nur einen Straßenstipfel ausreißen", warnt der Richter. Verstanden und angenommen? "Sicher." Der Staatsanwalt will noch nachdenken.

















