Graz will mehr Gerechtigkeit bei Nieren
Österreichweiter Verteilungsschlüssel bei Transplantationsnieren benachteiligt Steirer. Die Änderung ist zwar beschlossen - wird aber seit Monaten nicht umgesetzt.

Foto © APLaut dem Chef der Universitätsklinik Graz sind Steirer bei Nieren-Transplantationen benachteiligt
An sich ist es ja ein Grund zum "Feiern": In der Universitätsklinik für Chirurgie wird heuer die tausendste Nierentransplantation durchgeführt, seit diese Operationsmethode 1968 erstmals in Graz erfolgreich angewandt wurde.
Kaum Spender-Nieren für Graz. Doch so richtig zum Feiern ist dem Chef der Klinik, Karlheinz Tscheliessnigg, nicht zumute. "Wir könnten weit mehr Operationen durchführen, wenn wir bei der Verteilung der Nieren besser beteilt würden", bringt er das Problem auf den Punkt. Tatsächlich bekommt Graz verhältnismäßig wenig Spender-Nieren zugeteilt; Wien, Linz und Innsbruck steigen da weit besser aus. Tatsächlich ist die Steiermark ein Netto-Spender-Land, es gehen also mehr Spender-Nieren weg, als sie uns hier zugute kommen. anders gesagt: Die Steiermark ist Schlusslicht.
Patienten wandern ab. Die Gründe dafür sind vielfältig (siehe Kasten) und haben auch historische Wurzeln. Aber das ist längst passe, doch der Verteilungsschlüssel blieb gleich. So kommt es, dass sich viele Südösterreicher - die eigentlich der Uniklinik Graz "zugehörig" sind - auf Wartelisten für Innsbruck, Linz und Wien setzen lassen. "Eine Zeitlang ist wegen der Zuteilungsproblematik auch die Warteliste unserer Patienten angestiegen. Da reagieren die Betroffenen natürlich sensibel", sagt Oberarzt Helmut Müller, der die Nierentransplantationen an der Uni-Klinik koordiniert. Er steht in engem Kontakt mit den Patienten, die "sehr gut vernetzt sind und sich über die Möglichkeiten informieren". Die Wartezeit liegt derzeit deutlich über dem österreichischen Durchschnitt.
Lösung in Sicht. Nach jahrelangen Gesprächen zeichnete sich im Oktober eine Lösung ab: Es wurde tatsächlich beschlossen, die Verteilung der Spendernieren zugunsten der Region Süd zu ändern. Dabei blieb es aber leider auch. Denn: "Aber geschehen ist bisher noch nichts", sagt Tscheliessnigg verärgert.
Groteske Situation. Unterdessen passieren groteske Dinge: Gibt es eine Spenderniere in Klagenfurt, reist ein Team aus Graz nach Klagenfurt und entnimmt die Niere. Diese kommt dann vielleicht einem Kärntner Patienten zugute - allerdings pardoxerweise am AKH Wien - der Patient muss eiligst nach Wien geführt werden. "Das ist doch unsinnig", betont Tscheliessnig. Gerade für Kärnten will man daher attraktiver werden.
Nicht jeder geeignet. Herwig Holzer, Leiter der Nephrologie an der Uniklinik für Interne (zuständig für die Dialyse-Patienten) steht massiv hinter den Kollegen: "Beide Methoden arbeiten zusammen und ergänzen sich. Von den Kosten her kommt die Dialyse im Schnitt auf zwei Millionen Euro, die Transplantation auf nur 500.000 Euro." Allerdings: Nicht jeder ist für eine Operation geeignet.
Nach der OP. Nicht nur wegen der Kosten spricht viel für die Transplantation. Auch der weitere Verlauf ist nach einer Operation ist sehr gut, wie Müller erläutert: "Nach einem Jahr funktionieren noch 90 Prozent der Organe, nach zehn Jahren noch 80 Prozent."
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Grafik vergrößernNierentransplantationen 2007 pro BundeslandGrafik © Kleine Zeitung, ÖDTR Jahresbericht
















