Zwei Tage nach Überfall war Juwelierin wieder im Geschäft
Zwei Tage nach dem Überfall stand Christa Reiter schon wieder in ihrem Geschäft. Kunden kamen, um zu trösten. Doch es ist die Wut, die die 63-Jährige aufrecht hält.

Foto © SommerÜberfallene Juwelierin war zwei Tage nach Überfall wieder im Geschäft
Punkt neun Uhr stand sie heute wieder hinter dem Verkaufspult ihres kleinen Schmuckgeschäfts "Jilka" am Grazer Jakominiplatz. Die langen blonden Haare frisch frisiert, eine Brille mit Goldrahmen im Gesicht, die Lippen passend zum kirschroten Pullover geschminkt. Doch der fröhliche Schein trügt: Unter dem Pullover verbirgt sich ein hautenges Mieder, das die angeknacksten Rippen hält. Die getönte Brille versteckt Hämatome - und ein blutunterlaufenes linkes Auge. Zeugen des brutalen Raubüberfall auf die Juwelierin, den die 63-jährige Grazerin am Samstag um ein Haar mit dem Leben bezahlt hätte.
Ehemann als "Aufpasser". "Das Gemeinste war die Sache mit dem Messer", ärgert sich Ehemann Klaus. "Hätte sie nur eine falsche Bewegung gemacht - der Täter mit dem Messer hätte ihr die Halsschlagader aufschlitzen können." Klaus Reiter arbeitet an einem Tischchen ganz in der Nähe seiner Frau, hat sich am Montag extra freigenommen. "Ich muss ja auf meine Frau aufpassen", schmunzelt er.
Krisenteam. Nein, Angst haben die beiden trotz des Erlebten keine. "Andere brauchen vielleicht eine psychologische Betreuung durch ein Krisenteam - ich erzähle es einfach vielen Menschen, verarbeite es so", meint die langjährige Geschäftsfrau. Gelegenheit dazu hat sie reichlich: Kunden kommen eigens ins Geschäft, das seit 113 Jahren im Familienbesitz ist, um der Überfallenen Trost zuzusprechen. Doch diese resümiert: "Zuerst war der Schock da - jetzt ist es die Wut, die mich aufrecht hält. Außerdem muss man ja einfach weitermachen."
Ehepaar. Gemeinsam bringt das Ehepaar die Auslage in Ordnung, die die Räuber nahezu ausgeleert haben. "Nur die Perlen blieben zurück, die sind im Osten nämlich nichts wert", tippt die 63-Jährige auf Mitglieder einer Ostbande als Täter. Dass nicht auch noch der Tresor und eine zweite Auslage ausgeräumt wurden, führt Christa Reiter auf ihre heftige Gegenwehr zurück. "Einen hab' ich beim Fesseln getreten, dem anderen hab' ich einen Faustschlag verpasst." Zum Beweis hält die zierliche Frau ihre rechte Hand in die Höhe, die vom Faustschlag Blutergüsse an den Fingerknöcheln aufweist. Doch verhindern konnte sie die Tat natürlich nicht. "Ich habe ja nur 50 Kilo."
Geschäftsfrau. Was die resolute Geschäftsfrau jedoch nicht davon abhielt, vor einigen Jahren einen Ladendieb aus dem Geschäft zu prügeln, der sich an einem Schmuckstück vergreifen wollte. Dass die drei Räuber gefasst werden können, bezweifelt Christa Reiter: "Die sind sicher schon im Ausland - mitsamt der Beute." "Wir überprüfen derzeit mehrere Hinweise aus der Bevölkerung. Auch alle Kameras in der Nähe werden durchgecheckt, ob die Täter vielleicht zufällig gefilmt wurden", berichtet Ermittler Gerald Kahr. Doch derzeit gibt es noch keine konkrete Spur.

















