West Side Story: Utopie einer besseren Welt
An 29 Abenden soll Leonard Bernsteins "West Side Story" die Grazer Oper füllen. Die Inszenierung von Josef Ernst Köpplinger liefert dafür die beste Voraussetzung.

Foto © Grazer Opber/Dimo Dimov Hannes Muik (Diesel), Thomas Smithson (Professor), Korbinian Arendt (Riff), Dominik Hofbauer (Bernardo), Nazide Aylin (Anita)
Brutale Härte prägt die Eröffnungsszene, präzise choreographiert und stimmig inszeniert: Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass treiben erschreckende Blüten.
Traurige Aktualität. Gerade weil dieses Thema nach wie vor traurige Aktualität besitzt, erscheint es nicht notwendig, sie szenisch zu verdoppeln. Josef Ernst Köpplingers Inszenierung der 1957 in New York uraufgeführten "West Side Story" belässt Leonard Bernsteins Musicalklassiker dort, wo ihn die Autoren angesiedelt haben, im New York der Fünfzigerjahre. Eine Backsteinwand mit Fenstern, Türen und Treppen auf der Drehscheibe und einige Gitterwände an der Seite (Bühnenbild: Rainer Sinell) genügen, um die schäbigen Schauplätze anzudeuten und schaffen Platz für eine Inszenierung, die sich nicht weit von Jerome Robbins' Original entfernt.
Vision einer besseren Welt. Nur einmal gehen Regisseur Josef Ernst Köpplinger und seine Choreographin Ricarda Regina Ludigkeit, denen es gelang, Sänger und Tänzer nahtlos zu einem Ensemble zu verschmelzen, eigene Wege: In der Tanzsequenz zum "Somewhere there must be a place we can feel we're free" des Liebespaares zeigen sie die utopische Vision einer besseren Welt, in der die ermordeten Bandenführer vom Tode auferstehen.
Kontraste. Köpplinger, der seine Inszenierung später an das von ihm geleitete Klagenfurter Stadttheater transferieren wird, weiß, worauf es ankommt: Er spitzt die Kontraste zwischen Gewalttätigkeit und der Sehnsucht nach Liebe zu, schürt gekonnt die Emotionen.
Übertragung. Wie schon in Bernd Palmas Inszenierung von 1994 spielt die Grazer Oper diese moderne Romeo-und-Julia-Version zweisprachig: Die Songs erklingen auf Englisch, die Dialoge werden Deutsch gesprochen - nicht mehr in der Übertragung von Marcel Prawy, sondern in der Fassung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald, die zwar mit Worten wie "Weichei" heutig wirkt, aber bisweilen zu sehr dem bundesdeutschen Sprachgebrauch huldigt: "Die Kleine hat eine in der Waffel."
Individuelles Profil. Wie immer bemüht sich Köpplinger auch hier, den einzelnen Figuren ein individuelles Profil zu geben, und sei es nur, dass er etwa den mit Gerhard Balluch luxuriös besetzten Drugstorebesitzer Doc hinken lässt.
Spanischer Akzent. Als in ihrer Naivität entzückende und in ihrem Schmerz berührende Maria spricht und singt Katja Reichert mit einem spanischen Akzent. Ihre Stimme wird den musikalischen Anforderungen ihrer Partie ebenso uneingeschränkt gerecht wie jene von Daniel Prohaska, der als bubenhafter Tony seinen Tenor vor allem in seinem Song "Maria" zu voller Schönheit aufblühen lässt.
Geballte Aggressivität. Nur Sprechgesang bietet Korbinian Arendt in der Rolle des Riff, der als Anführer der "Jets" weniger Bühnenpräsenz besitzt als sein Gegenspieler Bernardo, den Dominik Hofbauer mit geballter Aggressivität ausstattet. In seiner "Sharks"-Gang machen Nazide Aylin als starke Anita und Conchita Zandbergen als Francisca mit fülliger Stimme mit Nachdruck auf sich aufmerksam.
Lyrische Eleganz. Dirigent Daniel Kaftan realisiert Bernsteins Evergreens am Pult der Grazer Philharmoniker mit Drive und lyrischer Eleganz.
Features
Fakten
"West Side Story" von Leonard Bernstein.
Aufführungen in der Grazer Oper: 17., 20., 26. (18 Uhr), 27. ,30. Dezember, 7., 8. Jänner, 19.30 bis 22.15 Uhr.
Karten: Tel. (0 31 6) 80 00.
















