Neuer Anlauf im Kampf gegen Feinstaub
Die Überkopfanlagen zur Verordnung von Tempolimits bei Feinstaubbelastung gehen am Montag in Betrieb. Der brandaktuelle Feinstaub-Bericht weist sie und die Umweltzonen als die effizientesten Maßnahmen aus.

Foto © Kleine Zeitung DIGITAL/Erwin ScheriauAm Montag gehen die Überkopfanlagen in Betrieb
Insgesamt 62 Maßnahmen gegen die Feinstaubbelastung hat sich das Land im Jahr 2004 verordnet. Zwei Jahre später wurde das Paket zum ersten Mal evaluiert. Jetzt, kurz vor Jahreswechsel, legt Umweltlandesrat Manfred Wegscheider den zum zweiten Mal überarbeiteten Maßnahmenkatalog vor. Inklusive Bewertung und Ausblick.
Chronologie
Überkopfanzeigen. Die Bilanz ist nüchtern: Die Verkehrsbeschränkungen wurden vom Unabhängigen Verwaltungssenat gekippt, die Partikelfilterpflicht für Maschinen wurde nach der Klagsdrohung der EU gegen Tirol gleich vorbeugend zurückgenommen. Umweltlandesrat Manfred Wegscheider hat den Rückschlag inzwischen verdaut und unternimmt mit Überkopfanzeigen und Umweltzonen einen neuen Anlauf, weil, Geschwindigkeitsbeschränungen "ein sehr gutes Kosten/Nutzen-Verhältnis aufweisen", wie es im Bericht heißt.
Hauptverursacher Verkehr. Denn Faktum ist: Hauptverantwortlich für die hohen Feinstaubkonzentrationen sind die Emissionen aus dem Verkehr, wobei auch die Wiederaufwirbelung, also nicht nur der direkte Ausstoß aus den Motoren, eine große Rolle spielt, sowie der lange Zeit unterschätzte Hausbrand. Und Faktum ist auch: Die niedrigen Grenzwerte werden auch im Sommer oft über längere Phasen hinweg überschritten, es geht also um ganzjährig wirksame Maßnahmen. Positiv die Bewertung die Effizienz flankierender Maßnahmen, von Diesel-Filtern über Tempo-30-Zonen bis hin zu Marketing-, Tarif- und Angebotserweiterungsmaßnahmen im Öffentlichen Verkehr.
Verstärkte Straßenwäsche. Beim Winterdienst in Graz (effizientere Logistik, minimierter Kehrmaschinen-Einsatz im Frühling) wurden die Ziele zu 65 Prozent umgesetzt und sollen bis 2010 zu 100 Prozent umgesetzt sein. Die verstärkte Straßenwäsche erwies sich insbesondere an kalten Tagen als untauglich.
Stickstoffreduzierte Fütterung. In der Landwirtschaft (Belastung durch Ammoniak) heißt es, die Maßnahmen etwa in Zusammenhang mit der Gülleausbringung seien "in Umsetzung", nur die stickstoffreduzierte Fütterung sei erledigt. Beim emissionsmindernden Stallbau machte den Feinstaubbekämpfern die offene Stallbauweise einen Strich durch die Rechnung.
Erfolgsmeldung. Bei Hausbrand und Energie gibt es eine Erfolgsmeldung: Öffentliche Gebäude von Land und Stadt Graz seien fast zur Gänze auf Fernwärme umgestellt, und die Förderung der Umstellung auf Fernwärme sei äußerst effizient und wird daher noch ausgebaut. Die Anhebung diverser Grenzwerte steht aus. Wermuthstropfen für die Evaulierer: Es gibt vielfach keine Daten, die den Erfolg messen.
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Fakten
Graz ist aufgrund seiner Beckenlage besonders von Feinstaub belastet. Mitverantwortlich dafür ist die speziell im Herbst und Winter auftretende Inversions-wetterlage: Im Becken sammelt sich ein See aus kalter Luft, der nicht erwärmt wird und sich deshalb nicht durchmischt. Wind und Unwetter können die Lage kurzfristig bessern.

















