Bauskandal: "Wir sind finanziell ruiniert"
Junge Familie wollte sich den Traum vom Eigenheim erfüllen, steht nach Pfusch und Konkurs zweier Bauträger aber vor dem finanziellen Aus. Staatsanwältin ermittelt.

Foto © APAHäuslbauer pleite
Kesia und Manfred Schöny sitzen am einfachen Holztisch in ihrem Wohnzimmer, einen Aktenberg vor sich aufgetürmt. Außer dem Tisch ist das Zimmer leer - mehr kann sich die Jungfamilie mit zwei Kleinkindern nicht mehr leisten. Immer wieder zupfen sie eine oder mehrere Seiten aus einem Ordner, um ihren Albtraum, aus dem sie seit zwei Jahren nicht erwachen, mit Fakten zu belegen. Beim Erzählen ihrer Geschichte pendeln sie zwischen Empörung, Resignation, Wut und Lachen - nur dieser Galgenhumor lässt die Familie die Situation durchstehen. Mittlerweile hat sich ein Schaden von über 60.000 Euro angehäuft. "Wir sind finanziell ruiniert."
Kaufvertrag. Angefangen hat alles ganz harmlos und seriös. Im August 2006 hat die Familie einen Kaufvertrag beim Bauträger S-Line unterzeichnet. 60.000 Euro waren für das Grundstück zu bezahlen, 140.000 Euro für das Haus. Die Raten sollten je nach Baufortschritt vom Konto wandern, der von einem Sachverständigen bestätigt werden muss. So weit, so sicher.
Sanierung. Der Haken an der Sache: Im Nachhinein glaubt die Familie, dass der Bauträger und der Sachverständige unter einer Decke steckten. Denn immer wieder wurden hohe Beträge ausbezahlt, obwohl die Arbeit mangelhaft oder überhaupt noch gar nicht ausgeführt war. "Wir mussten für die Sanierung des Kellers 7000 Euro nachschießen, obwohl der laut Sachverständigen in Ordnung war." Auch die Fenster fehlten noch komplett, obwohl das Geld für den Punkt "Liefern und Montage der Fenster-, Balkon- und Eingangstüren" im Ratenplan vom Sachverständigen abgesegnet war. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdacht läuft, die Ermittlungen sind in vollem Gange.
Serienpleiten. Nur ein Jahr nach Baubeginn, im Mai 2007, ging S-Line pleite. Die Firma "Behaglich Wohnen" bot auf Vermittlung der S-Line an, den Auftrag zu den selben Konditionen zu übernehmen. Im Februar 2008 meldete auch sie Konkurs an. Das dürfte den Geschäftsführer von "Behaglich Wohnen" aber keine schlaflosen Nächte bereitet haben - zwischen 21. März 2006 und 22. Jänner 2007 ging er bereits mit drei anderen Baufirmen pleite.
Rohbau. Mittlerweile waren von den 140.000 Euro, die das Haus vertraglich kosten sollte, bereits 120.000 geflossen. "Dafür, das wir einen verpfuschten Rohbau stehen hatten", so Schöny. Der nächste Hammer ließ nicht lange auf sich warten. Ein befreundeter Gutachter nahm das Haus unter die Lupe, das Ergebnis war niederschmetternd. "Wir mussten Stahlträger nachträglich einbauen lassen, sonst wäre die Decke zusammengekracht." Und das Haus war einfach nicht dicht. Sanierungskosten: 60.000 Euro.
Anwältin. Für ihre Anwältin Annemarie Stipanitz-Schreiner hat das Vorgehen System. "Diese Bauträger wissen von Anfang an, dass sie das Objekt nicht fertig bauen können und gehen einfach in Konkurs. Die Häuslbauer bleiben über, während die Bauleute mit einem Mercedes 500 zur nächsten Verhandlung ankommen." Die Grazer KPÖ-Wohnungsstadträtin Elke Kahr, an die sich die Familie gewandt hatte, kennt solche Fälle zur Genüge. "Wir versuchen, rechtliche Hilfe anzubieten. Aber es braucht klar bessere Kontrollrechte, damit nicht immer die kleinen Häuslbauer übrig bleiben."
















