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Zuletzt aktualisiert: 01.12.2008 um 20:43 UhrKommentare

Kritik am inszenierten Mutterglück

Eine Grazerin gebar mit 55 noch Zwillinge. Brisant: Sie wollte ihre Story den Medien teuer verkaufen - und hat damit erneut eine Debatte um späte Mütter losgetreten.

2007 sorgte 66-jährige Gebärende am Grazer LKH für Aufsehen, jetzt bekam 55-Jährige Zwillinge zur Welt

Foto © Kleine Zeitung DIGITAL/Erwin Scheriau2007 sorgte 66-jährige Gebärende am Grazer LKH für Aufsehen, jetzt bekam 55-Jährige Zwillinge zur Welt

Dass eine 55-jährige Alleinerzieherin aus Graz noch Mama von Zwillingsmädchen wird (wir berichteten), hat für enorme Aufregung gesorgt. Dass die Akademikerin aus dieser Tatsache aber noch Kapital schlagen wollte, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Wiener Boulevardmedien berichteten von bis zu 50.000 Euro, die sie für exklusive Homestorys samt Babyfotos hätten auslegen müssen.

"Überrascht". Den Reproduktionsmediziner Michael Schenk stört diese Vorgangsweise: "Es kann nicht sein, dass jemand seine persönliche Geschichte derart aggressiv verkaufen kann." Die frisch gebackene Mama zeigte sich vom negativen Echo "überrascht" und ließ durch ihren Sprecher ausrichten, sie möchte ab sofort doch keinen Medienkontakt mehr haben.

Eizellen-Tourismus. Fest steht, dass sich die 55-Jährige in England die Eizelle einer Spenderin einsetzen ließ. In Österreich ist das per Gesetz ohne Ausnahme verboten. Das löst seit Jahren Diskussionen zwischen Medizinern und Ethikern aus.

Punktion. "Das ist eine politische Entscheidung, die mit dem Argument vertreten wird, Eizellenspenden seien mit großen Strapazen für die Frau verbunden", erklärt der Reproduktionsmediziner Wolfgang Urdl. Eizellen werden mittels einer Punktion entnommen - ein Eingriff, der größere medizinische Risiken birgt als die Samenspende beim Mann.

Andere Länder, andere Sitten: In England, Spanien, der Ukraine, Belgien, der Tschechischen Republik, der Slowakei sowie in Ungarn sind Eizellenspenden nicht verboten. Frauen mit Kinderwunsch weichen daher dorthin aus und bezahlen pro Eizelle bis zu 7000 Euro.

Routine. Dass Frauen bis an die 50 dank der Reproduktionsmedizin noch Kinder bekommen, ist aus medizinischer Sicht längst Routine. Die erhöhten Risiken einer späten Schwangerschaft - für Mutter und Kind - macht der medizinische Fortschritt aber nicht wett. "Tatsache ist, dass mit zunehmendem Alter die Risiken für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und beeinträchtigter Nierenfunktion deutlich zunehmen", warnt Urdl. Hinzu kommt, dass sowohl durch Hormonbehandlung als auch künstliche Befruchtung Mehrlingsschwangerschaften häufiger auftreten. "Außerdem steigt mit dem Risiko von Mehrlingsschwangerschaften das Risiko für Frühgeburten."

PETRA PRASCSAICS, JULIA SCHAFFERHOFER

Reproduktionsmedizin

Das Gesundheitsministerium übernimmt 70 Prozent der Kosten für künstliche Be-fruchtungen, wenn die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre alt ist. Voraussetzung: Aus medi-zinischen Gründen kann sich das Paar den Kinderwunsch auf natürlichem Weg nicht erfüllen.

Frauen unter 35 wird em-pfohlen, nur einen Embryo einzusetzen, um das Risiko für Mehrlingsgeburten zu reduzieren.

Gesetz

Fortpflanzung: Das Fortpflanzungsmedizingesetz von 1991 regelt künstliche Schwangerschaften in Österreich. Es untersagt Eizellenspenden und Leihmutterschaft, nicht aber Samen- spenden.
International: Spenden von Eizellen und Leihmutterschaft sind aber etwa in Spanien und Tschechien erlaubt.

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