Grazer Congress feiert 100-jähriges Bestehen
Am 28. November 1908 wurde der Schlussstein für den Bau des Grazer Congresses gesetzt.

Foto © Susanne RakowitzGrazer Congress
Eigentlich sollte Kronprinzessin Stephanie Nachfolgerin Elisabeths als Kaiserin von Österreich und damit erste Frau in einem 50-Millionen-Einwohner-Staat werden. Doch nach dem mysteriösen Freitod ihres Mannes Kronprinz Rudolf und seiner Geliebten Mary Vetsera auf Schloss Mayerling, blieb nichts mehr übrig von dem Traum, Monarchin zu werden. Und während die Figur Rudolfs kommendes Jahr am Wiener Raimundtheater einen fulminanten Musical-Show-down erlebt, verliert sich die Erinnerung an die aus Belgien stammende Kronprinzessin. Aber eben nicht ganz. Mitten in Graz trägt nämlich einer der schönsten Ballsäle des Landes, der Stephaniensaal im Grazer Congress, ihren Namen.
Reise nach Graz. Die Kronprinzessin war 1885 mit ihrem Mann in die Murmetropole gereist, um das Bauwerk - die Errichtung war von der Steiermärkischen Sparkasse finanzierte worden - zu eröffnen. Um- und Zubauten folgten. Am 28. November 1908 schließlich die Schlusssteinlegung - beglaubigt durch eine Urkunde im Sockel der mächtigen Beethovenstatue an der Stirnseite der Prachtstiege. Der Stephaniensaal war nun 40 Meter lang, drei Stockwerke hoch und bot Platz für 1100 Zuhörer, 120 Sänger und 90 Musiker. Doch nicht nur die Architektur des Stephaniensaals erregte damals viel Aufmerksamkeit, auch seine Akustik. Architekt Leopold Theyer hatte eine doppelte Rabitzdecke - zehn Zentimeter Betonplatte, acht Zentimeter Luftraum und neun Zentimeter Stuckdecke - anbringen lassen. Eine wahrhaft kaiserliche Leistung, wenn man bedenkt, dass damals Akustik nicht auf Messung sondern auf Erfahrung und Gespür beruhte. Der Stephaniensaal spielte damit in einer Liga mit den großen Konzertsälen in Budapest und Wien oder der Royal Albert Hall in London.
Erinnerungen. Zwei weitere Säle im Grazer Congress erinnern noch heute an die Zeit der zu Ende gehenden Monarchie: der Kammermusiksaal mit seiner weiß-goldenen Farbakzentuierung und der Blaue Salon - mittlerweile in Rosa getaucht. 1977 wurde das Sparkassen-Gebäude in ein Kongresszentrum umgewandelt, der Steiermarksaal angebaut. Das Casino öffnete im Erdgeschoß seine Pforten. 1991 wurde der Grazer Congress schließlich unter Denkmalschutz gestellt.
Moderner Congress.

















