Flexible Arbeitszeiten belasten Handelsangestellte
Laut einer Studie der Karl-Franzens-Universität in Graz ist die Zufriedenheit der Handelsangestellten mit der Entlohnung ebenfalls gering. Gewerkschaft zu KV-Verhandlungen: "Zeit spricht nicht für uns".

Foto © APHandelsangestellte unter Druck
Die flexible Arbeitszeitgestaltung im Handel wird -
ebenso wie die geringe Entlohnung - von den Angestellten überwiegend
negativ beurteilt. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der
Karl-Franzens-Universität Graz durchgeführte Studie über
"Arbeitsbedingungen im Handel", die am Dienstag präsentiert wurde.
Kollektivvertragliche Verbesserungen seien in naher Zukunft kaum zu
erwarten, resümierte die GPA nüchtern.
Arbeitszeitgestaltung. Während die meisten Befragten das Verhältnis mit Vorgesetzten und
Kollegen sowie die Arbeitsplatzsicherheit als "sehr gut" beschrieben,
war die Zufriedenheit mit der Arbeitszeitgestaltung gering. So werde
rund ein Drittel der Handelsangestellten kurzfristig zur Arbeit
bestellt, sie stünden quasi "auf Abruf bereit". Die geforderte
Flexibilität bedeute vor allem für Frauen - sie machen rund 70
Prozent aller Handelsangestellten aus - eingeschränkte Planbarkeit im
privaten Bereich, so die Studienautoren. Gerade die Kinderbetreuung
sei schwierig zu regeln.
"Geteilter Dienst". Als besondere Erschwernis bezeichneten Studienautoren Manfred
Fuchs vom Institut für Internationales Management und der Soziologe
Dieter Reicher die weit verbreitete Praxis des "geteilten Dienstes":
Dabei müssen Angestellte während der Stoßzeiten - meist am Vormittag
und am Abend - anwesend sein, die dazwischen liegende mehrstündige
Pause sei kaum sinnvoll zu nutzen. Die GPA wolle diese Dienste bei der derzeit laufenden
Neuverhandlung des Kollektivvertrags verbieten, so Walter Christian,
steirischer Regionalsekretär für den Handel. Für dieses Jahr erwarte
er aber kein Verhandlungsergebnis mehr.
Einjähriges Forschungspraktikum. Die Studie wurde von 25 Soziologie-Studenten an der Grazer
Karl-Franzens-Universität im Rahmen eines einjährigen
Forschungspraktikums durchgeführt. Insgesamt haben 261 Grazer
Handelsangestellte den Fragebogen beantwortet, dazu kamen 40
Interviews. Die Befragung wurde bei sieben Handelsunternehmen
(Lebensmittel, Textil, Schuhe, Baustoffe) durchgeführt -
ausschließlich "Vorzeigeunternehmen", betonte Christian. Die
"schwarzen Schafe der Branche" - genannt wurden Lebensmitteldiskonter
- wollten nicht an der Studie teilnehmen.
Kollektivvertragsverhandlung. Die GPA bekräftigte am Dienstag nochmals ihre Forderung bei der
aktuellen Kollektivvertragsverhandlung: Abgeltung der Inflationsrate
und ein Produktivitätszuschlag. "3,9 Prozent wären ein Erfolg, doch
die Zeit spricht nicht für uns", so Christian angesichts der
schwierigen Wirtschaftslage. Das erste Arbeitgeberangebot sei bei 1
Prozent Gehaltserhöhung gelegen.

















