Auftakt zum zehnten Grazer Automobilforum
Der stotternde Motor in der Autobranche ist auch beim 10. Automobilforum in Graz allgegenwärtig. Umso mehr versucht man hier, wieder neuen Schwung aufzunehmen. Denn es gibt auch gute Nachrichten.

Foto © APAAudi-Vorstand Dick und Magna-Techniker Goeschl konzentrierten sich auf Chancen mit E-Autos
Ein düsterer Ausblick bei Fiat, ein Gewinneinbruch bei Mercedes-Benz, zweistellige Rückgänge der Auto-Absatzzahlen in Europa - auch gestern war die Nachrichtenlage in der Autoindustrie wenig erbaulich. Dass die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise längst auch in der Steiermark angelangt sind, davon legen die massiven Personaleinschnitte bei einigen Mitgliedsbetrieben des Autoclusters Styria (AC) Zeugnis ab. Bis zum Jahresende könnten, wie berichtet, noch einige hundert Kündigungen hinzu kommen. Zudem prüfen zahlreiche Zulieferbetriebe nach dem Vorbild von Magna ebenfalls vorübergehend Modelle für Kurzarbeit einzuführen. Und mitten in dieser verdrießlichen Situation treffen sich dieser Tage Spitzen von Autofirmen in der Grazer Stadthalle zum 10. Automobilforum. Ein Jubiläum mit zweifellos bitterem Beigeschmack.
Autocluster Styria. Wer sich jedoch paralysierte Aussteller und Bestürzung an jeder Ecke der Halle erwartet, wird überrascht sein. Rechtzeitig zum Auftakt des Zusammentreffens hat die Geschäftsführung des Autocluster Styria ihre rund 180 Mitglieder befragt, wie schlimm sie von der Krise betroffen sind. Das verblüffende Ergebnis: Zwar geben 27 Prozent der Betriebe an, dass sich die Krise sogar sehr stark bemerkbar mache, das Gros - nämlich 57 Prozent sehen sich jedoch lediglich mäßig, 16 Prozent gar nicht betroffen. Und von Schwarzmalerei will man laut dieser Erhebung in der steirischen Autobranche gar nichts wissen: Zwei von drei Unternehmen erwarten in den nächsten beiden Jahren eine gute bis sehr gute Entwicklung.
Personalabbau und Kurzarbeit. Realitätsverweigerung? "Der Umstand, dass es vielen metallverarbeitenden Betrieben noch sehr gut geht, wird von den Nachrichten rund um Personalabbau und Kurzarbeit überlagert", sagt Gert Holzschlag von der steirischen Wirtschaftsförderung.
Gesunde Immunität. Beim AC sieht man sich mit "gesunder Immunität gegen globale Schwankungen der Marktlage ausgestattet". Ein Befund, der auf den oft beachtlich hohen Forschungsquoten der Firmen fußt, so AC-Geschäftsführer Karl Pansy. Natürlich seien Schrammen unausweichlich, ein Totalschaden drohe jedoch aus heutiger Sicht nicht. Es ist sogar so, dass sich dieser Tage mit Mercedes-Benz-Technology (MBtech) ein neuer Betrieb in Graz ansiedelt. "Wir wollen von dieser Niederlassung aus, den österreichischen Markt aber auch Osteuropa betreuen", sagt Hartmut Tresp, Geschäftsführer bei MBtech. Das Unternehmen ist ein Dienstleister für Engineering und Beratung in der Autobranche. Gerade in Krisenzeiten sei der Fokus auf Entwicklung wichtig, so Tresp.
Elektroauto. Denn die großen Fragen der Branche, wie die nach der Erfüllung von Abgas-Normen, Effizienzsteigerungen, Kostensenkungen, - Krise hin, Krise her - sind aktueller denn je. Wie kann man ein Elektroauto eigentlich sexy gestalten? Auch solche Fragestellungen bestimmten die Debatten mit Top-Referenten wie Burkhard Göschl von Magna oder Audi-Entwicklungschef Michael Dick.
Features
Auto und Motor
Fakten
70 Prozent der Partnerbetriebe des Autocluster Styria schätzten die Entwicklung in den kommenden beiden Jahren "gut" bis "sehr gut" ein, nur 27 Prozent gaben an, den Auswirkungen der Krise stark zu unterliegen. "Die Krise hinterlässt natürlich Schrammen, aber mit Totalschäden ist aus heutiger Sicht nicht zu rechnen", hieß es aus der Geschäftsführung des Autoclusters.
















