Carl Djerassi zu Gast an der Med-Uni Graz
Der "Vater der Pille", der als Kind vor den Nazis flüchtete, bot an der Medizin-Uni ein beeindruckendes Referat über "Was wäre, wenn. . ."
Er war Zeuge des Nazi-Terrors in Wien, flüchtete in die USA, schaffte dort als Chemiker den Durchbruch zur "Pille", ist heute Literat, Kunstsammler und präziser Beobachter des Weltgeschehens. Ein hochkarätiger Referent also, den sich die Medizin-Uni Graz am Dienstag zu ihrer Gedenkveranstaltung 70 Jahre nach dem "Anschluss" holte.
Motto. Unter dem Motto "Was wäre, wenn. . ." führte der 85-jährige Wissenschaftler Carl Djerassi die Zuhörer im Klinikum Graz auf eine weit gespannte Reise. Er erzählte von jenen Tagen in Wien 1938, als der 14-jährige jüdische Mittelschüler Hals über Kopf flüchten musste. "Wäre es anders gekommen, wäre ich wohl ein österreichischer Mediziner geworden." Und damit hätte er nicht jenen Durchbruch 1951 erreicht. Djerassi erzählte über den gesellschaftlichen Umbruch der 60er-Jahre, der auch unabhängig von der "Pille" passiert wäre. Doch die "Pille" führte ihn damals stärker in die gesellschaftspolitische Diskussion, und damit hin zu seinen literarischen Ambitionen - Prosawerke und Theaterstücke.
Vergangenheit. Djerassi blieb allerdings vor der Uni-Prominenz, einigen Politikern und dem Sektionschef als Vertreter des Wissenschaftsministeriums nicht nur in der Vergangenheit. Eindrücklich demonstrierte er, in welche demographische Falle Österreich hineinrutscht. Die Alterspyramide werde immer kopflastiger, "das sind Fakten, keine Meinungen." Was wäre also, wenn? Entweder müssten junge Leute ab sofort drei Kinder pro Frau bekommen, oder Einwanderung zulassen: "Ansonsten begeht Österreich nationalen Selbstmord."














