Unterwerfungsritual der bösen Art vor Gericht
Kriminelle Gruppendynamik: "Aus Spaß" musste sich ein Opfer niederknien und beten.
In Handschellen, den so genannten "Achtern", wird er von der Justizwache durch den langen Gang des Straflandesgerichtes Graz an seinen wartenden Freunden vorbei geführt. "Hallo", "hallo", "hallo." Er war der Chef dieser jungen Leute, erst 20 Jahre alt, aber schon eine beachtliche Respektsperson. Bei jedem Schritt schiebt er die bulligen Schultern im hautengen T-Shirt hin und her. Mehrere Vorstrafen hat er und die Justizanstalt kennt er von innen. Das ist schon was, alle Achtung.
Gefängnis. "Jemand anderer hat für ihn zugeschlagen", erzählt ein Zeuge, "damit er nicht schon wieder ins Gefängnis muss. Ich hab' das für ihn übernommen." - "Wie selbstlos", entschlüpft es Richterin Julia Sorg. Ein Opfer, 20, erzählt: Drohungen von dieser Gruppe, auch vom Anführer, hätte es ständig gegeben, auch Prügel. "Ich hatte Angst, wirklich große Angst. Das hat sich auch auf meine Arbeit ausgewirkt. Was passiert heute wieder? Was ist jetzt? Diese Fragen waren für mich ständig präsent."
Knien. Ein Beispiel: Das Opfer musste sich auf den Boden knien, mit dem Oberkörper auf und ab wippen und laut das Vaterunser beten. Dann besudelten sie eine Rolle Papier und rieben sein Gesicht damit ab. "Waren Sie da dabei?", fragt die Richterin den Angeklagten. "Ja." - "Und?" - "Das war nur Spaß." - "Spaß?! Hat er gelacht?" - "Ja." Frage an den Zeugen: "Haben Sie dabei gelacht? War das Spaß?" Ein Unterwerfungsritual der besonders bösen Art. "Spaß?", reagiert das Opfer empört, "niemals! Nein, im Gegenteil. Ich hatte große Angst!"
Delikte. Wegen mehrerer Delikte wird der 19-Jährige zu zwei Jahren Haft verurteilt. Zu viel. Berufung. "Vor nichts haben Sie Respekt, dafür eine kriminelle Energie, wie man sie selten erlebt", meint noch die Richterin. "Ja, ja", stimmt er ihr zu.

















