Grazer Buchhalter mit "typischer Spielerkarriere"
Buchhalter einer Grazer Firma soll bis zu 180.000 Euro abgezweigt haben, um seine Spielsucht zu finanzieren. Als es eng wurde, ging er selbst zur Polizei.
Die Reue kam spät, zu spät. "Am besten wäre gewesen, ich hätte gleich von Anfang an verloren", sagte der 46-jährige Buchhalter eines Großhandels im Verhör. Aber weil er damals, vor gut zwölf Jahren, beim Spielen zunächst gewonnen hatte, packte ihn die Spielsucht und ließ ihn nicht mehr los. Auch nicht, als er schon längst wieder auf der Verliererstraße war.
Hoher Schaden. Bis zu 180.000 Euro soll der gebürtige Oststeirer seiner Firma veruntreut haben. Ganz genau lässt sich die über zwölf Jahre unterschlagene Summe nicht mehr eruieren, denn entsprechende Belege ließ der Mann verschwinden. In dem Großhandel für Lebensmittel und andere Güter war der Angestellte unter anderem für jene Kunden zuständig, die Waren sofort in bar bezahlten. Dieses Geld soll er immer wieder in die eigene Tasche und in weiterer Folge in Spielautomaten gesteckt haben. Die offenen Positionen verschleierte er geschickt, indem er sie auf Großkunden umbuchte, wo die Fehlbeträge nicht gleich auffielen. War eine interne Revision angesetzt, verschob er die offenen Positionen rechtzeitig auf andere Kunden.
Unentdeckt. Bis zuletzt blieben diese Machenschaften unentdeckt. Doch nachdem die Firmen-Buchhaltung kürzlich an einen anderen Standort verlegt worden war, dürfte der Grazer nervös geworden sein. Er ging von sich aus zur Firmenleitung und gestand alles. Dabei kam auch zutage, dass es der Mann zuletzt unterlassen hatte, säumige Kunden zu mahnen und so seinem Unternehmen weitere 50.000 Euro entgangen sind. Er wurde sofort gekündigt.
Typische Spielerkarriere. Anfang Oktober erstattete der 46-Jährige Selbstanzeige im Kriminalreferat der Grazer Polizei. Ermittler Klaus Murtinger: "Sein Fall zeigt eine typische Spielerkarriere, er hat alles verloren. Dazu kamen auch private Probleme." Allerdings habe er jetzt einen Schlussstrich gezogen. Eigenen Angaben zufolge ist der Grazer von seiner Spielsucht geheilt. Der Mann wurde auf freiem Fuß angezeigt.
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Fakten
Spielsüchtige: Bis zu 15.000 Steirer leiden unter Spielsucht, schätzt man bei der Gesellschaft für Suchtfragen b. a. s. Der Trend geht nach oben.
Warteliste: b.a.s. ist mit dem Andrang auf Therapieplätze überfordert und muss Suchtkranke auf die Warteliste setzen.

















