Kunsthaus Graz: Das Leben ist kein Spiel
"Leben?", fragt eine Schau im Kunsthaus Graz. Und eröffnet freundliche, aber auch äußerst bedrohliche Einblicke in den Grenzbereich von Skulptur und Natur.

Foto © Kunsthaus GrazSorgt für heftige Diskussionen: Die Arbeit "Ruan" von Xiao Yu
Kann Kunst helfen, die Natur besser zu verstehen? Welches Material wird der Darstellung von Leben gerecht? Und hat das Leben Grenzen? Ausgehend von der organischen Form des Kunsthauses untersucht die Ausstellung "Leben?" biomorphe Formen in der Skulptur und stellt dabei existentielle Fragen. Die Bandbreite der Antworten reicht von freundlich bis bedrohlich, von wuchernd bis schräg.
Biomorph. "Was heißt denn eigentlich biomorph?", fragte etwa Kunststar Franz West die Kuratoren Katrin Bucher Trantow und Peter Pakesch launig. Und stellte mit dem Papiermaché-Paar "Biomorph/Biomorf" seine ganz persönliche Antwort auf das Modewort ins Kunsthaus. Die in Graz arbeitende Münchnerin Eva Helene Stern lässt Fundstücke ein neues Leben beginnen, der Berliner Wolfgang Flad wiederum schreddert Kunstbücher und macht daraus anatomische anmutende Knochengebilde. Sie sehen neben Wests Figuren ziemlich alt aus, absichtlich.
Drastische Mittel. Berlinde de Bruyckere und Xiao Yu greifen zu drastischen Mitteln. Die Belgierin weist in ihren wild verwachsenen Figuren aus Kunstharz auf die Verletzlichkeit des Körpers hin. Der chinesische Künstler vernäht anatomische Präparate zu Fabelwesen, um die Sinnhaftigkeit der Genomforschung zu hinterfragen. Seine Arbeit "Ruan", die nun in Graz zu sehen ist, löste bei der Präsentation 2005 in Bern heftige Diskussionen aus. Hier wird deutlich: Das Leben ist kein Spiel.
Im Gegensatz dazu ganz entspannt präsentiert sich das dritte Kapitel der Thyssen-Bornemisza-Schau "Sammlung als Aleph", das kürzlich ausgeschlagen wurde. Neue Werke von Janet Cardiff, Thomas Ruff, Sarah Lucas oder Michael Elmgreen und Ingar Dragset bringen Bewegung in das Medium Ausstellung und machen die Vielschichtigkeit zeitgenössischer Kunst sichtbar.
Leben? Biomorphe Formen in der Skulptur. Ausstellung bis 11. 1. 2009.
Sammlung als Aleph, Kapitel 3. Bis 26. 10. Kunsthaus Graz, Lendkai 1.














