Fast schon ein Team: Der Jörg und sein Gegner
Das BZÖ rief zur Wahlkundgebung auf den Grazer Karmeliterplatz - es kamen fast so viele Gegner wie Freunde.

Foto © ReutersHaider zu Gast in Graz
Ausgerechnet den Karmeliterplatz hatte sich das BZÖ für seine Wahlkundgebung in der Steiermark ausgesucht - die Bühne stand direkt vor dem Eingang zum Hauptquartier der ÖVP. Überhaupt stand der Auftritt im Zeichen eines kuriosen Miteinander: Gut 100 BZÖ-Anhänger, die "Jörg schauen" kamen. Fast ebenso viele "Berufsdemonstranten", wie die Protest-Community gegen "Neonaziterror" und "Politikerwillkür" von Haider genannt wird. Zwei Dutzend Gesetzeshüter, die dezent darauf achteten, dass die beiden Gruppen einander nicht an die Wolle gingen. Angesagt hatten sich die Demonstranten schon vor zwei Wochen gegen HC Strache, aber der hatte sich ihnen durch Absage der FPÖ-Kundgebung entzogen.
Lautsprecher. Der Jörg war ihnen vermutlich ohnehin lieber. Wie man die Kundgebung auf fast sentimentale Weise gemeinsam durchlitt, das hatte für langjährige Beobachter durchaus Witz. Sogar die, die wirklich der Rede ihres Idols lauschen wollten, kamen auf ihre Kosten: Die Lautsprecher waren so eingestellt, dass Jörg Haider Trillerpfeifen und Sprechchöre mühelos übertönte. Praktischerweise hatten einige Demonstranten orange Ohrenschützer im Gepäck.
Nicht viel Neues. Jörg Haider bot nicht viel Neues, aber die vertrauten Töne kommen in der Steiermark gut an. Kiebitze aus den Reihen der ÖVP und BZÖ-Funktionäre stimmten am Karmeliterplatz überein, dass das BZÖ in der Steiermark besser abschneiden werde als (außerhalb Kärntens) sonst in Österreich, und zwar vor allem zu Lasten der ÖVP.
Vorprogramm. Der steirische Spitzenkandidat Gerald Grosz bestritt mit seiner Brandrede gegen die "Verantwortungslosigkeit" der Regierung das Vorprogramm. Haider setzte logisch fort, mit dem Versprechen, die große Koalition "in die Wüste zu schicken". Deshalb sei er in die Bundespolitik zurückgekehrt. Der Kampf gegen die Teuerung, Maßnahmen für die Sicherheit, Absicherung der Familien - der Bündnisobmann spult das Programm routiniert ab. Die Demonstranten sind die, "die Österreich sicher nicht führen werden", von denen "manche wahrscheinlich gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden sind". Buh, und aus. Die Zeiten, als Eier und Tomaten flogen, sind - Gott sei Dank - vorbei.
















