"Ab heute arbeiten die Frauen gratis"
Frauen verdienen im Schnitt um 29,5 Prozent weniger als Männer. Um diese Schere bewusst zu machen, findet heute ein Aktionstag statt.

Foto © APAFrauen verdienen im Durchscnitt immer noch weniger als Männer
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 40.632 Euro brutto verdienen Männer im Jahresdurchschnitt, Frauen müssen mit 29.846 Euro das Auslangen finden. "Damit", so Ulla Sladek vom Institut Peripherie, "arbeiten die Frauen ab heute statistisch gesehen gratis." Sie rechnet seit Jahren die Einkommensschere auf den Kalender um - und heute, Donnerstag, wird der so genannte "Equal Pay Day" begangen. Dieser Tag soll den Unterschied widerspiegeln.
Subtil. Worauf ist diese satte Differenz von 29,5 Prozent zurückzuführen? Ist es reine Diskriminierung? Nein, sagen die Experten, es passiert viel subtiler. "Gesetzlich wurde einiges verbessert", betont Elke Lujansky-Lammer, Gleichbehandlungsbeauftragte für die Steiermark. "Aber die Zahlen bleiben gleich schlecht."
Praxis. Und auch die Praxis, wie zahlreiche Fälle beweisen. Etwa Hermine H. (Namen geändert), die nach ihrer universitärer Ausbildung in einem biologisch-technischen Unternehmen arbeitet. Dennoch bekommen ihre männlichen Kollegen eine Funktionszulage, sie nicht. Erst nach Reklamation erhält sie ebenfalls eine, allerdings nur in halber Höhe. Das Argument: Budgetknappheit. Die Zulagen der Männer werden aber natürlich nicht angegriffen.
Unterschiede. Oder Anna M. Sie arbeitet in einem IT-Unternehmen und ist Betriebsrätin. Nach vier Jahren findet sie heraus, dass der Arbeitgeber für das Gehalt ihr Studium nicht berücksichtigt hat, bei ihrem männlichen Kollegen aber sehr wohl. Er genießt auch eine höhere Überstundenpauschale und Zulagen.
Teure Kinderbetreuung. Diese Fälle, die sich an die Gleichbehandlungskommission gewandt haben, stehen exemplarisch dafür, wie es zur Einkommensschere zwischen Mann und Frau kommt. Ein weiteres wichtiges Moment ist die unterschiedliche Erwerbsdauer. "Die Kinderbetreuungszeiten fehlen den Frauen im Laufe ihrer Berufslaufbahn. Das wirkt sich bei Beförderungen und Gehaltssprüngen negativ aus", so Sladek von der Peripherie. Lujansky-Lammer ergänzt: "Frauenarbeit wird tendenziell niedriger eingestuft."
EU-Schnitt. Übrigens: EU-weit liegt Österreich an viertletzter Stelle bei den geschlechterspezifischen Einkommensunterschieden.
Features
Equal Pay Day
Für die Berechnung des so genannten Equal Pay Day wurde das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Vollzeit-Beschäftigten 2006 herangezogen.
Peripherie lädt am Donnerstag von 10 bis 17 Uhr zu einem Informationsstand am Grazer Tummelplatz.















